Das Skript – Innehalten macht Wahl möglich

Innehalten ist kein Zögern. Es ist der Moment, in dem Wahrnehmung wieder Platz bekommt. Diese Vertiefung verbindet Chi Sao mit dem Strukturmodell der Ich Zustände aus der Transaktionsanalyse nach Eric Berne und der Frage, wie innere Führung unter Druck entstehen kann. Dort, wo bisher Automatismen greifen, wird Wahl wieder möglich.


Audio


Transkript

Hier findest du den vollständigen Text zum Audio. Du kannst ihn aufklappen, mitlesen und bei Bedarf einzelne Passagen nachschlagen.

Transkript anzeigen

Das Skript - Innehalten macht Wahl möglich

Schön, dass du dir nach dem Chi Sao Beitrag über Inhibition auch diese Vertiefung anhörst.

Ich bin Björn Germek. Gemeinsam mit meiner Frau Britta betreibe ich systheco, systemisch orientierte Therapie und Coaching aus Emsdetten.

Diese Audio Reihe vertieft die Impulse, die zuvor im Rahmen der Chi Sao Einführung auf LinkedIn schriftlich geteilt wurden. Sie führt diese Gedanken in eine körperlich erfahrbare und psychotherapeutisch fundierte Ebene.

Im Rahmen dieser Einführung gab es bereits einen Text zum Funktionsmodell der Ich Zustände. Dieses Audio greift das Modell auf und verbindet es mit dem Strukturmodell und der Frage nach innerer Führung.

Das Funktionsmodell beschreibt, wie wir uns im jeweiligen Moment organisieren. Wie wir denken. Wie wir fühlen. Wie wir handeln.

Diese Zustände wechseln fortlaufend. Unter Druck, in Nähe oder bei Verantwortung werden sie besonders deutlich und körperlich spürbar.

Spannung steigt, wenn Kontrolle übernimmt.
Der Atem verändert sich, wenn Anpassung aktiv wird.
Energie sinkt bei Rückzug.
Druck entsteht, wenn inneres Antreiben führt.

Diese Bewegungen zeigen sich häufig, bevor sie bewusst eingeordnet werden können.

Chi Sao macht diese Dynamik im Kontakt unmittelbar erfahrbar. Druck, Nachgeben und Orientierung bringen innere Zustände an die Oberfläche. Der Körper antwortet direkt.

Diese Erfahrung lässt sich nach innen wenden.

Auch im Inneren gibt es Kontakt. Zwischen unterschiedlichen Ich Zuständen. Zwischen Schutz, Beziehung und Orientierung.

Hier öffnet sich der Übergang zum Strukturmodell der Ich Zustände.

Im Strukturmodell unterscheiden wir Eltern Ich, Kind Ich und Erwachsenen Ich als innere Instanzen. Früh verinnerlichte elterliche Botschaften haben auf das kindliche Erleben eingewirkt. Daraus entstanden innere Entscheidungen darüber, was getan, gedacht oder gefühlt werden muss, um sicher zu sein.

Diese Antworten formen ein Skript.

Ein Skript ist ein Überlebensplan.
Es sichert Beziehung und Schutz.
Es stabilisiert das innere System.

Dieses Skript wirkt bis ins Erwachsenenleben hinein. Es prägt Beziehung, Leistung, Nähe, Rückzug und Führung. Im Alltag zeigt es sich über das Funktionsmodell. Bestimmte Zustände übernehmen bevorzugt die Führung, besonders in vertrauten oder belastenden Situationen.

Hier bekommt das Innehalten eine besondere Bedeutung.

Wenn skriptbedingte Automatismen bewusst gehemmt werden, entsteht oft ein inneres Alarmsignal. Etwas Vertrautes setzt aus. Der gewohnte Schutz greift nicht mehr selbstverständlich.

Viele Menschen erleben in diesem Moment eine existentielle Verunsicherung. Das innere System reagiert, weil der alte Überlebensplan seine Sicherheit verliert.

Gerade beim tieferen Hinterfragen oder Umschreiben eines Skripts können starke Angstreaktionen auftreten. Deshalb braucht dieser Prozess Zeit, Beziehung und einen sicheren Rahmen.

Therapeutische Arbeit an dieser Stelle bedeutet, behutsam zu begleiten. Den Körper mitzunehmen. Das Tempo zu achten. Sicherheit immer wieder herzustellen.

Inhibition öffnet Raum.
Bewusstheit schafft Wahl.
Haltung gibt Schutz.

Diese inneren Dynamiken zeigen sich ebenso im beruflichen Kontext.

In Organisationen begegnen sie uns als typische Reaktionsmuster unter Druck. Als Führungsstile. Als Formen von Zusammenarbeit.

Manche Menschen sichern Orientierung über Kontrolle.
Andere über Anpassung.
Wieder andere über Rückzug oder übermäßige Leistungsbereitschaft.

Diese Muster sind frühe Lösungen. Sie tragen lange. In Phasen von Veränderung oder Krise geraten sie unter Spannung. Dann zeigen sich Konflikte, Überforderung oder Erstarrung.

Auch hier braucht es Innehalten.

Wenn vertraute Automatismen nicht mehr greifen, entsteht Unsicherheit. Führung wird herausfordernd. Orientierung geht kurz verloren.

An dieser Stelle beginnt Übersetzungsarbeit.

Ich begleite Menschen dabei, ihre inneren Muster, ihre Reaktionen unter Druck und ihre Art von Selbstführung wahrzunehmen und zu klären. Diese Arbeit ist körpernah, erfahrungsorientiert und psychotherapeutisch fundiert.

Britta arbeitet dort weiter, wo diese innere Klärung in konkrete Veränderungen im Organisationsalltag übersetzt werden soll. Sie bringt die klassische Klaviatur der Organisationsentwicklung ein und unterstützt Teams und Führungskräfte dabei, neue Formen von Zusammenarbeit, Kommunikation und Struktur praktisch umzusetzen.

Innere Orientierung und äußere Gestaltung greifen hier ineinander. Jede Perspektive behält ihre eigene Logik und Verantwortung.

Über solche Modelle zu sprechen ist ein Anfang. Sie im eigenen Erleben und im beruflichen Alltag wirksam werden zu lassen braucht Zeit und Begleitung.

Wenn dich diese Inhalte ansprechen und du Impulse für persönliche Entwicklung, Führung oder Zusammenarbeit suchst, nimm gerne Kontakt zu uns auf. Die Informationen dazu findest du hier auf der Seite.

Danke fürs Zuhören.


Weiterführende Einordnung

Zwei ruhige Ankerpunkte zur Transaktionsanalyse: einmal als Grundrahmen, einmal zum Skriptbegriff als Teil der TA Arbeit.

Deutsche Gesellschaft für Transaktionsanalyse – Was ist Transaktionsanalyse
Überblick zu Grundideen der TA und zur Arbeit mit Ich Zuständen im Kontakt.

International Transactional Analysis Association – Transactional Analysis
Internationale Einordnung zu Konzepten, Anwendung und Entwicklungslinien der Transaktionsanalyse.



Teilen

Wenn du den Impuls weitergeben möchtest, kopiere hier den Link zur Seite und sende ihn direkt an eine Person, in ein Team oder in einen Arbeitskontext.