Nur noch funktionieren

Björn Germek

Emsdetten · Entwickler der Vertikalen Praxis

Manchmal fällt erst nach langer Zeit auf, dass das eigene Leben fast nur noch aus Pflichten besteht. Nach außen funktioniert vieles weiter. Innerlich wächst dagegen das Gefühl, sich selbst aus dem Blick verloren zu haben und den Alltag nur noch zu bewältigen.

Nur noch zu funktionieren ist keine Diagnose. Oft ist es ein Zeichen dafür, dass Belastungen, Verantwortung oder Anpassung über lange Zeit mehr Raum eingenommen haben als die Verbindung zu den eigenen Bedürfnissen. Diese Seite möchte helfen, solche Zusammenhänge besser zu verstehen und wieder Orientierung zu finden.


Moin, ich bin der Björn.

Bevor du weiterliest, möchte ich dir kurz etwas darüber erzählen, was ich mache und warum es diesen Text gibt.

Ich lebe in Emsdetten und habe Hunderte von Stunden investiert, um die Inhalte dieser Website zu erstellen. Mir ist wichtig, dass du weißt, bei wem du gelandet bist. Die Texte sind Teil meiner freiberuflichen Arbeit. Ich veröffentliche sie, weil mich die Themen beschäftigen und weil ich gerne Wissen teile. Genauso wichtig ist mir der Kontakt zu den Menschen, die hier lesen. Deshalb verstehe ich diese Seite als ein Beziehungsangebot. Wenn dich etwas berührt, interessiert oder beschäftigt, freue ich mich über eine Nachricht von dir.


Inhaltsverzeichnis


Nur noch funktionieren

Wer lange funktioniert, bemerkt oft erst spät, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Der Alltag läuft weiter, Aufgaben werden erledigt, nach außen scheint vieles unverändert. Gleichzeitig wächst innerlich das Gefühl, kaum noch wirklich am eigenen Leben teilzunehmen.

Erholung bringt dann nicht mehr die Entlastung, die sie früher einmal hatte. Selbst freie Stunden bleiben angespannt, weil Gedanken weiterkreisen oder der Körper nicht zur Ruhe kommt. Es entsteht der Eindruck, ständig auf Empfang zu sein, auch wenn gerade nichts Dringendes geschieht.

Meist beginnt dieser Zustand nicht mit einem einzelnen Ereignis. Er entwickelt sich über längere Zeit. Verantwortung zu übernehmen, verlässlich zu sein und die eigenen Bedürfnisse zurückzustellen kann über Jahre gut funktionieren. Irgendwann wird aus dieser Stärke jedoch eine Gewohnheit, die immer mehr Kraft kostet und den Kontakt zu sich selbst leise in den Hintergrund treten lässt.


Wie dieser Zustand entsteht

Am Anfang wirkt vieles noch wie normale Müdigkeit. Die Hoffnung richtet sich auf das nächste Wochenende, den Urlaub oder eine ruhigere Phase. Oft kehrt die Erleichterung tatsächlich für kurze Zeit zurück. Wenig später stellt sich jedoch dieselbe Schwere wieder ein. Dann wird deutlich, dass nicht nur Erholung fehlt, sondern sich etwas Grundlegendes verändert hat.

Schritt für Schritt verschiebt sich der Blick. Was andere brauchen, erhält immer mehr Gewicht. Aufgaben drängen sich nach vorn, Termine bestimmen den Tag und die eigenen Bedürfnisse geraten aus dem Blick. Die Signale des Körpers werden zwar noch wahrgenommen, aber immer häufiger übergangen.

Gerade Menschen, die Verantwortung übernehmen und für andere da sein möchten, merken diese Entwicklung oft erst spät. Das Funktionieren wird selbstverständlich. Erst wenn immer mehr Kraft nötig ist, um den Alltag aufrechtzuerhalten, entsteht die Frage, ob dieser Weg noch trägt.


Wenn Erholung nicht mehr ankommt

Irgendwann reicht eine Pause allein nicht mehr aus. Der Körper ruht, innerlich bleibt jedoch eine Spannung bestehen. Selbst freie Zeit fühlt sich nicht wirklich frei an, weil Gedanken weiterarbeiten oder schon der nächste Schritt vorbereitet wird.

Manche merken es morgens, wenn der Tag beginnt, bevor sie sich bereit fühlen. Andere erleben es am Abend, wenn endlich Ruhe einkehrt und trotzdem kein Gefühl von Ankommen entsteht. Auch schöne Erlebnisse verlieren ihre Wirkung schneller, weil der innere Druck sie überlagert.

Wer sich lange über Leistungsfähigkeit definiert hat, hält diesen Zustand häufig für eine vorübergehende Phase. Dabei kann genau darin ein wichtiges Signal liegen: Das Leben braucht nicht noch mehr Anstrengung, sondern wieder mehr Kontakt zu den eigenen Bedürfnissen und Grenzen.


Björn Germek in der Vertikalen Praxis

Vertikale Praxis - Körperpsychotherapie

Im Kopf dieser Seite habe ich mich bereits als „Entwickler der Vertikalen Praxis“ vorgestellt. Vielleicht fragst du dich, was damit gemeint ist.

Der Begriff Vertikale Praxis beschreibt meinen Ansatz der körperpsychotherapeutischen Arbeit mit meinen Klientinnen und Klienten. Er hat sich über etwa zwei Jahrzehnte aus meiner intensiven Auseinandersetzung mit Kampfkünsten, der Transaktionsanalyse nach Eric Berne und der konkreten Arbeit mit Menschen entwickelt. Es berührt mich, wenn Menschen mir ihr Vertrauen schenken und in der direkten körperlichen Begegnung nach und nach durchlässiger werden. Wenn dich interessiert, was da genau passiert, lade ich dich herzlich ein, auf der Seite zur Vertikalen Praxis weiterzulesen.


Auswirkungen auf Beziehungen und Beruf

Wer lange nur funktioniert, erlebt die Veränderungen oft nicht nur bei sich selbst. Auch Beziehungen verändern sich. Gespräche drehen sich häufiger um Organisation als um echte Begegnung. Nähe wird seltener selbstverständlich und muss bewusst gesucht werden.

Im Beruf zeigt sich ein ähnliches Bild. Entscheidungen entstehen zunehmend aus Druck statt aus Übersicht. Aufgaben werden erledigt, Termine eingehalten und Verantwortung übernommen. Gleichzeitig bleibt immer seltener das Gefühl zurück, etwas wirklich mitgetragen oder gestaltet zu haben.

Nach außen wirkt vieles weiterhin verlässlich. Innerlich wächst dagegen häufig der Abstand zum eigenen Erleben. Was früher selbstverständlich Freude oder Zufriedenheit ausgelöst hat, fühlt sich zunehmend neutral oder anstrengend an.


Der leise Wendepunkt

Ein Wendepunkt kündigt sich meist leise an. Ein freier Tag bringt keine wirkliche Erholung. Ein Satz aus einem Gespräch bleibt ungewöhnlich lange im Kopf. Oder zum ersten Mal taucht die Frage auf, ob das eigene Leben noch zu dem Menschen passt, der man heute ist.

Solche Momente wirken unscheinbar. Gleichzeitig können sie der Beginn einer neuen Aufmerksamkeit sein. Wer innehält, entdeckt oft, wie lange Verantwortung, Anpassung oder Pflichtgefühl den Alltag bestimmt haben und wie wenig Raum für die eigenen Bedürfnisse geblieben ist.


Was jetzt hilfreich sein kann

Der erste Schritt besteht oft nicht darin, sofort etwas zu verändern. Hilfreicher ist es, zunächst wahrzunehmen, wie der eigene Alltag tatsächlich aussieht. Wo beginnt der Tag? Wann entsteht Druck? Und an welchen Stellen kommt die eigene Person überhaupt noch vor?

Viele Menschen stellen fest, dass freie Zeit ungewohnt geworden ist. Entweder bleibt sie leer oder sie wird sofort wieder mit Aufgaben gefüllt. Beides kann darauf hinweisen, wie sehr das Leben auf Funktionieren ausgerichtet ist.

Auch der Körper gibt häufig deutliche Hinweise. Anspannung bleibt bestehen, Erholung stellt sich nur kurz ein oder das Gefühl innerer Bereitschaft begleitet den ganzen Tag. Solche Signale sind keine Schwäche. Sie zeigen, dass der Organismus versucht, auf eine länger bestehende Belastung aufmerksam zu machen.

Manchmal verändert schon ein gutes Gespräch die Perspektive. Was bisher nur im Inneren kreiste, bekommt Worte und wird für einen Moment gemeinsam getragen. Daraus kann die Erfahrung entstehen, dass das eigene Erleben wieder Gewicht bekommen darf.


Frühe Unterstützung

Wer nur noch funktioniert, muss nicht warten, bis eine eindeutige Diagnose entsteht. Oft lohnt es sich gerade dann, Unterstützung zu suchen, wenn die ersten Veränderungen spürbar werden und der Kontakt zum eigenen Leben allmählich verloren geht.

Therapeutische Begleitung kann helfen, diese Entwicklung besser zu verstehen und neue Orientierung zu finden. Nicht weil etwas „kaputt“ ist, sondern weil Entwicklung häufig dort beginnt, wo das eigene Erleben wieder ernst genommen wird.

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Porträt von Britta Germek

Systemisches Coaching mit Britta Germek

Britta und ich sind verheiratet und Eltern eines tollen Jungen. Seit unserer Rückkehr ins Münsterland entwickeln wir systheco als gemeinsames, nebenberufliches Projekt. Während ich in meinem Büro sitze und neue Texte schreibe, höre ich sie nebenan telefonieren. Nicht laut, aber ausreichend, um die Direktheit ihrer Stimme wahrzunehmen.

Als wir noch in Köln lebten, arbeitete Britta bei den Ford-Werken. Dort begleitete sie Führungskräfte unterschiedlicher Bereiche in Veränderungsprozessen. Britta mag die Zusammenarbeit mit hemdsärmeligen Leuten. Sie bleibt beharrlich, bis die Dinge auf den Punkt kommen. Gleichzeitig hat sie Geduld, wenn Menschen Zeit brauchen, Beobachtungen anzunehmen.



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