In beruflichen Konflikten erleben Beteiligte ihre eigene Sicht häufig als besonders nachvollziehbar. Andere Positionen erscheinen dagegen schnell als Ursache des Problems.
Allparteilichkeit nimmt unterschiedliche Perspektiven ernst, ohne sie gleichzusetzen. Sie berücksichtigt außerdem, dass Beteiligte über ungleiche Entscheidungs- und Einflussmöglichkeiten verfügen können.
Auf dieser Seite erkläre ich, was Allparteilichkeit im systemischen Arbeiten bedeutet. Es geht um Perspektivwechsel und Machtunterschiede sowie um die Grenzen einer Haltung, die verschiedene Seiten verstehen möchte.
Ich bin Britta Germek.
Bevor Sie weiterlesen, möchte ich Ihnen kurz etwas über mich erzählen.
Ich lebe in Emsdetten und begleite Menschen in beruflichen Veränderungsprozessen, in Führungsfragen und an Übergängen, an denen neue Orientierung wichtig wird. Wenn Sie ein Thema wiedererkennen, sich angesprochen fühlen oder ein Gespräch dazu führen möchten, freue ich mich über Ihre Nachricht.
Was Allparteilichkeit im systemischen Arbeiten bedeutet
In beruflichen Konflikten erscheinen die Positionen der Beteiligten häufig unvereinbar. Jede Seite beschreibt nachvollziehbare Gründe für das eigene Verhalten und erlebt die Reaktion der anderen als Teil des Problems.
Allparteilichkeit bedeutet, die verschiedenen Perspektiven ernst zu nehmen und ihre jeweilige Bedeutung im Zusammenhang zu verstehen. Die beratende Person stellt sich dabei nicht dauerhaft auf eine Seite, sondern unterstützt unterschiedliche Sichtweisen darin, hörbar zu werden.
Diese Haltung verlangt keine Gleichsetzung aller Positionen. Sie ermöglicht vielmehr, Interessen und Folgen differenziert zu betrachten und den Wechselwirkungen zwischen den Beteiligten Aufmerksamkeit zu geben.
Warum Allparteilichkeit mehr als Neutralität ist
Neutralität wird häufig als Abstand zu allen Beteiligten verstanden. Allparteilichkeit geht darüber hinaus. Sie bezeichnet eine aktive Hinwendung zu den unterschiedlichen Perspektiven, ohne sich dauerhaft mit einer von ihnen zu identifizieren.
Eine allparteiliche Haltung fragt, was eine Position aus Sicht der jeweiligen Person nachvollziehbar macht. Ebenso wird betrachtet, welche Reaktionen sie bei anderen auslöst und welche Folgen daraus für den gemeinsamen Zusammenhang entstehen.
Die beratende Person bleibt deshalb nicht unbeteiligt. Sie sorgt dafür, dass auch weniger sichtbare oder vorschnell abgewertete Perspektiven in die Betrachtung aufgenommen werden.
Unterschiedliche Perspektiven anerkennen
Beteiligte erleben dieselbe Situation aus unterschiedlichen Rollen. Eine Führungskraft kann eine Entscheidung als notwendige Klärung verstehen, während Beschäftigte darin einen Verlust an Beteiligung sehen.
Allparteilichkeit versucht nicht, diese Unterschiede sofort aufzulösen. Sie hält zunächst fest, welche Erfahrungen und Erwartungen die jeweilige Perspektive prägen.
Dadurch entsteht ein genaueres Bild der Situation. Die Anerkennung einer Sichtweise bedeutet dabei nicht, jede daraus folgende Handlung gutzuheißen oder ihre Auswirkungen zu verharmlosen.
Über das Systemische Coaching mit mir
Seit vielen Jahren begleite ich Menschen in beruflichen Veränderungsprozessen, in der Personalentwicklung und in Führungsfragen. Jede Zusammenarbeit bringt ihre eigene Geschichte, ihre eigenen Möglichkeiten und ihre eigenen Herausforderungen mit.
Mich interessiert, wie Menschen ihre Rolle erleben, welche Beziehungen sie in ihrem beruflichen Umfeld gestalten und welche Ressourcen sie bereits mitbringen. Im Coaching entsteht Raum, um neue Perspektiven zu entwickeln und stimmige nächste Schritte zu finden.
Das Systemische Coaching bildet den fachlichen Schwerpunkt meiner Arbeit. Auf der folgenden Seite beschreibe ich, wie ich arbeite, welche Haltung mich dabei leitet und für welche Anliegen Coaching aus meiner Sicht besonders hilfreich sein kann.
Hinter unterschiedlichen Positionen stehen häufig berechtigte Interessen. Eine Führungskraft möchte Verlässlichkeit sicherstellen, während das Team mehr Handlungsspielraum benötigt. Beide Anliegen können im gleichen Zusammenhang wirksam sein.
Allparteilichkeit richtet den Blick deshalb nicht nur auf Forderungen, sondern auch auf deren Funktion. Kontrolle kann beispielsweise der Absicherung von Verantwortung dienen. Zurückhaltung kann ein Versuch sein, sich vor unkalkulierbaren Reaktionen zu schützen.
Die funktionale Betrachtung rechtfertigt problematische Folgen nicht. Sie hilft jedoch zu verstehen, weshalb bestimmte Verhaltensweisen bestehen bleiben und welche anderen Wege dieselbe Funktion erfüllen könnten.
Machtunterschiede nicht ausblenden
Allparteilichkeit bedeutet nicht, Machtunterschiede zu übersehen. In Organisationen verfügen Beteiligte über unterschiedliche Entscheidungsbefugnisse und Möglichkeiten, Konsequenzen auszulösen.
Eine Führungskraft und ein Teammitglied können ihre Perspektiven äußern. Dennoch hat die Führungskraft häufig größeren Einfluss darauf, welche Entscheidung verbindlich wird und welche Folgen ein Konflikt für die Beteiligten hat.
Eine allparteiliche Haltung berücksichtigt diese Unterschiede ausdrücklich. Sie schützt davor, formale Ungleichheit als bloßes Kommunikationsproblem zwischen gleich starken Seiten zu behandeln.
Zwischen Perspektiven wechseln
Allparteilichkeit entsteht durch einen fortlaufenden Wechsel der Beobachtungsposition. Die beratende Person prüft, welche Perspektive bislang viel Raum erhält und welche Sichtweise kaum berücksichtigt wurde.
Dabei kann sie zeitweise einer Person stärker folgen, um deren Erleben genauer zu verstehen. Anschließend richtet sie die Aufmerksamkeit auf die Wirkung dieses Handelns im Gesamtsystem.
Dieser Wechsel verhindert eine dauerhafte Koalition mit einer Seite. Zugleich ermöglicht er, Unterschiede deutlich zu benennen, ohne vorschnell nach Schuldigen zu suchen.
Grenzen allparteilicher Haltung
Allparteilichkeit verlangt nicht, jedes Verhalten als gleichermaßen legitim zu behandeln. Grenzverletzungen oder diskriminierende Handlungen können klar benannt werden, auch wenn die zugrunde liegende Perspektive untersucht wird.
Ebenso kann eine beratende Person feststellen, dass sie einer bestimmten Position nicht ausreichend offen begegnen kann. Diese eigene Reaktion sollte reflektiert werden, statt unter dem Anspruch vermeintlicher Neutralität verborgen zu bleiben.
Allparteilichkeit ist deshalb keine feste Eigenschaft. Sie bleibt eine professionelle Haltung, die im Verlauf immer wieder überprüft und neu hergestellt werden muss.
Systemisches Denken in Coaching und Organisation
Diese Seite vertieft einen einzelnen Begriff oder eine bestimmte Denkbewegung des systemischen Ansatzes. Sie gehört zu einem größeren Wissensbereich, in dem systemisches Denken aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet wird.
Auf der Hauptseite des Wissensbereichs erfahren Sie, was diese Denkweise auszeichnet und wie sie den Blick auf berufliche Situationen verändert. Menschen werden dabei nicht isoliert betrachtet, sondern in den Zusammenhängen, in denen sie handeln.
Die Hauptseite verbindet die fachlichen Grundlagen mit ihrer Bedeutung für Coaching und Organisation. Von dort aus können Sie weitere Begriffe und Denkmodelle des systemischen Ansatzes vertiefen.
Im systemischen Coaching unterstützt Allparteilichkeit dabei, unterschiedliche Sichtweisen zu würdigen, ohne vorschnell eine Seite zur alleinigen Ursache des Problems zu erklären. Auch wenn nur eine Person am Coaching teilnimmt, können die Perspektiven weiterer Beteiligter mitgedacht werden.
Eine Führungskraft kann beispielsweise das Verhalten eines Mitarbeiters als Widerstand erleben. Im Coaching lässt sich zusätzlich betrachten, welche Funktion dieses Verhalten aus seiner vermuteten Sicht erfüllt und welche Wirkung das Handeln der Führungskraft auf die Situation hat.
Allparteilichkeit bedeutet dabei nicht, Verantwortung oder Machtunterschiede zu relativieren. Sie hilft vielmehr, den Zusammenhang genauer zu verstehen und Handlungsoptionen zu entwickeln, die verschiedene berechtigte Interessen berücksichtigen.
Hinweis zur Entstehung: Dieser Fachtext wurde mit Unterstützung generativer KI redaktionell ausgearbeitet. Inhaltliche Konzeption und fachliche Verantwortung liegen bei den Betreibern dieser Website. Texte, die auf besonderes Interesse stoßen, werden redaktionell weiterentwickelt.
Wichtige Internetseiten
Wenn Sie Allparteilichkeit im systemischen Arbeiten vertiefen möchten, bieten diese Internetseiten fachliche Einordnungen zu professioneller Haltung und unterschiedlichen Perspektiven.
Die Beiträge erläutern Allparteilichkeit als aktive Hinwendung zu unterschiedlichen Perspektiven. Sie vertiefen außerdem die Abgrenzung zu Neutralität und die Bedeutung dieser Haltung in konflikthaften Zusammenhängen.
Fragen & Antworten
Was bedeutet Allparteilichkeit?
Allparteilichkeit bedeutet, unterschiedliche Perspektiven aktiv anzuerkennen und ihre jeweilige Bedeutung im Zusammenhang zu verstehen, ohne sich dauerhaft auf eine Seite zu stellen.
Was ist der Unterschied zwischen Allparteilichkeit und Neutralität?
Neutralität wird häufig als Abstand zu allen Seiten verstanden. Allparteilichkeit bezeichnet dagegen eine aktive Hinwendung zu den verschiedenen Beteiligten und ihren jeweiligen Sichtweisen.
Bedeutet Allparteilichkeit, dass alle Positionen gleich bewertet werden?
Nein. Eine Perspektive kann nachvollzogen werden, ohne ihre Folgen gutzuheißen. Machtunterschiede und Grenzverletzungen müssen weiterhin klar benannt werden.
Ist Allparteilichkeit auch im Einzelcoaching möglich?
Ja. Auch wenn nur eine Person anwesend ist, können die vermuteten Perspektiven weiterer Beteiligter einbezogen und die Wechselwirkungen im beruflichen Zusammenhang betrachtet werden.
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Vertikale Praxis mit Björn Germek
Seit unserer Rückkehr ins Münsterland entwickeln Björn und ich systheco gemeinsam als nebenberufliches Projekt.
Oft, wenn ich an seiner Bürotür vorbeikomme, sitzt er an einem neuen Text oder einer Idee. Ich erlebe, mit welcher Beharrlichkeit er Fragen verfolgt, die ihn beschäftigen. Er gibt sich nie mit schnellen Antworten zufrieden, sondern entwickelt seine Gedanken über viele Jahre hinweg kontinuierlich weiter.
Seit anderthalb Jahrzehnten beobachte ich seine Beschäftigung mit der Vertikalen Praxis als eigenständigem Zugang zu Fragen menschlicher Entwicklung. Manchmal nutze ich einzelne Gedanken daraus auch in meinen Coaching-Formaten. Das Prinzip „Kraft gegen Kraft“ macht vertraute Muster oft unmittelbar körperlich erfahrbar und eröffnet dadurch neue Perspektiven.
Allparteilichkeit verlangt Nähe zu unterschiedlichen Perspektiven und zugleich genügend Abstand, um nicht vollständig mit einer Position zu verschmelzen. Die Seite „Nähe und Distanz gestalten“ betrachtet dieses Spannungsfeld aus persönlicher und relationaler Perspektive.