In Teams und Organisationen entsteht häufig der Eindruck, die eigene Sicht auf eine Situation bilde eindeutig ab, was tatsächlich geschehen ist. Andere Beteiligte können denselben Verlauf jedoch anders erleben und zu einer ebenso nachvollziehbaren Einschätzung kommen.
Solche Unterschiede entstehen nicht nur durch fehlende Informationen. Menschen achten abhängig von ihrer Rolle auf andere Aspekte und verbinden Beobachtungen mit ihren bisherigen Erfahrungen. Dadurch bilden sich verschiedene Beschreibungen einer gemeinsam erlebten Wirklichkeit.
Auf dieser Seite erkläre ich, was Konstruktion im systemischen Denken bedeutet. Es geht um das Verhältnis von Wahrnehmung und Deutung sowie um die Frage, wie unterschiedliche Wirklichkeiten Führung, Zusammenarbeit und Veränderungsprozesse beeinflussen.
Ich bin Britta Germek.
Bevor Sie weiterlesen, möchte ich Ihnen kurz etwas über mich erzählen.
Ich lebe in Emsdetten und begleite Menschen in beruflichen Veränderungsprozessen, in Führungsfragen und an Übergängen, an denen neue Orientierung wichtig wird. Wenn Sie ein Thema wiedererkennen, sich angesprochen fühlen oder ein Gespräch dazu führen möchten, freue ich mich über Ihre Nachricht.
Menschen erleben Situationen nicht als neutrale Sammlung von Fakten. Sie nehmen etwas wahr, ordnen es ein und verbinden es mit bisherigen Erfahrungen. Deshalb können mehrere Personen an derselben Besprechung teilnehmen und anschließend unterschiedliche Geschichten darüber erzählen.
Eine Führungskraft erlebt eine Entscheidung vielleicht als notwendige Klarheit. Mitarbeitende nehmen dieselbe Entscheidung als mangelnde Beteiligung wahr. Beide Beschreibungen beziehen sich auf ein gemeinsames Geschehen, setzen jedoch andere Schwerpunkte und geben ihm eine andere Bedeutung.
Im systemischen Denken wird Wirklichkeit deshalb nicht nur als etwas betrachtet, das unabhängig von Beobachtenden vollständig erfasst werden kann. Menschen konstruieren Beschreibungen, indem sie auswählen, unterscheiden und Zusammenhänge herstellen. Diese Konstruktionen prägen, welche Handlungsmöglichkeiten sie erkennen.
Konstruktion bedeutet nicht Beliebigkeit
Die Aussage, dass Wirklichkeit konstruiert wird, bedeutet nicht, dass alles frei erfunden ist. Ereignisse haben reale Folgen. Entscheidungen verändern Zuständigkeiten, Arbeitsbedingungen oder verfügbare Ressourcen. Körperliche Grenzen und rechtliche Vorgaben verschwinden nicht dadurch, dass Menschen sie unterschiedlich beschreiben.
Konstruiert wird die Bedeutung, die einem Geschehen gegeben wird. Ein Personalwechsel kann als Verlust von Erfahrung beschrieben werden. Aus einer anderen Perspektive eröffnet er neue Gestaltungsmöglichkeiten. Beide Beschreibungen beziehen sich auf denselben Vorgang, lenken die Aufmerksamkeit aber auf unterschiedliche Folgen.
Wirklichkeitskonstruktionen sind außerdem nicht folgenlos. Manche Beschreibungen passen besser zu beobachtbaren Entwicklungen als andere. Sie können neue Möglichkeiten eröffnen oder den Blick verengen. Systemisches Denken fragt deshalb nicht nur, ob eine Beschreibung wahr erscheint, sondern auch, welche Wirkung sie im jeweiligen Zusammenhang entfaltet.
Wahrnehmung und Deutung unterscheiden
Im Alltag gehen Wahrnehmung und Deutung häufig ineinander über. Die Aussage „Er hat mich im Gespräch ignoriert“ verbindet eine beobachtbare Situation bereits mit einer Erklärung. Genauer beschrieben könnte es heißen: „Er hat auf meine beiden Wortmeldungen nicht reagiert und anschließend das Thema gewechselt.“
Diese genauere Beschreibung widerlegt das Erleben des Ignoriertwerdens nicht. Sie trennt jedoch das beobachtete Verhalten von der zugeschriebenen Absicht. Dadurch werden weitere Erklärungen möglich. Vielleicht wurde die Wortmeldung nicht verstanden, als nicht relevant eingeordnet oder unter Zeitdruck übergangen.
Eine solche Unterscheidung kann besonders in Konflikten hilfreich sein. Sie verhindert nicht, dass Verhalten bewertet oder Verantwortung benannt wird. Sie schafft zunächst mehr Klarheit darüber, welche Teile einer Aussage beobachtet und welche gedeutet wurden.
Über das Systemische Coaching mit mir
Seit vielen Jahren begleite ich Menschen in beruflichen Veränderungsprozessen, in der Personalentwicklung und in Führungsfragen. Jede Zusammenarbeit bringt ihre eigene Geschichte, ihre eigenen Möglichkeiten und ihre eigenen Herausforderungen mit.
Mich interessiert, wie Menschen ihre Rolle erleben, welche Beziehungen sie in ihrem beruflichen Umfeld gestalten und welche Ressourcen sie bereits mitbringen. Im Coaching entsteht Raum, um neue Perspektiven zu entwickeln und stimmige nächste Schritte zu finden.
Das Systemische Coaching bildet den fachlichen Schwerpunkt meiner Arbeit. Auf der folgenden Seite beschreibe ich, wie ich arbeite, welche Haltung mich dabei leitet und für welche Anliegen Coaching aus meiner Sicht besonders hilfreich sein kann.
Soziale Wirklichkeit entsteht nicht allein in den Köpfen einzelner Menschen. Sie bildet sich auch dadurch, dass Beschreibungen miteinander geteilt, bestätigt oder zurückgewiesen werden. Wenn sich in einem Team die Einschätzung durchsetzt, dass offene Kritik unerwünscht ist, beeinflusst dies das Verhalten der Beteiligten.
Vielleicht äußern Mitarbeitende Bedenken nur noch informell. In offiziellen Besprechungen entsteht dadurch der Eindruck breiter Zustimmung. Dieser Eindruck kann wiederum die Annahme der Führungskraft verstärken, dass keine wesentlichen Einwände bestehen.
Auf diese Weise können Beschreibungen Bedingungen hervorbringen, die sie scheinbar bestätigen. Eine gemeinsam geteilte Wirklichkeit wird dadurch stabil, obwohl einzelne Beteiligte das Geschehen weiterhin anders erleben.
Die Bedeutung von Sprache
Sprache bildet Wirklichkeit nicht nur ab. Sie ordnet Erfahrungen und macht bestimmte Unterschiede bedeutsam. Ob ein Verhalten als Widerstand, Vorsicht oder verantwortungsvolle Prüfung bezeichnet wird, verändert die Erwartungen an die beteiligten Personen.
Begriffe können Handlungsmöglichkeiten öffnen. Sie können sie aber auch einschränken. Wird ein Team dauerhaft als schwierig beschrieben, geraten Situationen aus dem Blick, in denen Zusammenarbeit gelingt. Wird ein Konflikt ausschließlich als Kommunikationsproblem bezeichnet, bleiben möglicherweise widersprüchliche Ziele oder unklare Zuständigkeiten unbeachtet.
Systemisches Denken achtet deshalb darauf, welche Beschreibungen verwendet werden und welche Folgen sie haben. Es geht nicht darum, belastende Situationen durch positivere Worte zu beschönigen. Entscheidend ist, ob eine Sprache genau genug ist, um das Geschehen verständlicher und bearbeitbar zu machen.
Wirklichkeitskonstruktionen in Organisationen
Organisationen erzeugen eigene Beschreibungen ihrer Wirklichkeit. Berichte, Kennzahlen und Protokolle legen fest, welche Entwicklungen sichtbar werden. Strategien benennen, was als wichtig gilt. Rollenbeschreibungen bestimmen, welche Erwartungen an bestimmte Positionen gerichtet werden.
Solche Konstruktionen sind notwendig. Ohne gemeinsame Begriffe könnten Entscheidungen kaum vorbereitet oder koordiniert werden. Gleichzeitig zeigt jede Darstellung nur einen Ausschnitt. Eine gute Kennzahl kann etwa verdecken, dass die Belastung im Team steigt oder wichtige Aufgaben informell aufgefangen werden.
Spannungen entstehen häufig dort, wo verschiedene Wirklichkeitsbeschreibungen aufeinandertreffen. Die Leitung spricht von einer erfolgreichen Veränderung, während Beschäftigte vor allem zusätzliche Unsicherheit erleben. Beide Seiten beziehen sich auf andere Kriterien und können sich dadurch gegenseitig als realitätsfern wahrnehmen.
Mehrere Beschreibungen nebeneinanderstellen
Systemisches Arbeiten versucht nicht, alle Unterschiede in einer einheitlichen Sichtweise aufzulösen. Häufig ist es hilfreicher, verschiedene Beschreibungen zunächst nebeneinanderzustellen und ihre jeweiligen Folgen zu untersuchen.
Eine Führungskraft kann eine enge Steuerung als notwendige Absicherung erleben. Mitarbeitende können dieselbe Steuerung als Misstrauen verstehen. Beide Sichtweisen enthalten Informationen über die Situation. Erst ihr Vergleich macht sichtbar, weshalb Delegation nicht gelingt und welche Erwartungen unausgesprochen bleiben.
Mehrere Perspektiven anzuerkennen bedeutet nicht, jede Behauptung als gleich überzeugend zu behandeln. Beobachtbare Folgen, formale Verantwortung und konkrete Rahmenbedingungen bleiben prüfbar. Die zusätzliche Perspektive verhindert jedoch, dass eine einzelne Beschreibung vorschnell zur einzig möglichen Wirklichkeit erklärt wird.
Systemisches Denken in Coaching und Organisation
Diese Seite vertieft einen einzelnen Begriff oder eine bestimmte Denkbewegung des systemischen Ansatzes. Sie gehört zu einem größeren Wissensbereich, in dem systemisches Denken aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet wird.
Auf der Hauptseite des Wissensbereichs erfahren Sie, was diese Denkweise auszeichnet und wie sie den Blick auf berufliche Situationen verändert. Menschen werden dabei nicht isoliert betrachtet, sondern in den Zusammenhängen, in denen sie handeln.
Die Hauptseite verbindet die fachlichen Grundlagen mit ihrer Bedeutung für Coaching und Organisation. Von dort aus können Sie weitere Begriffe und Denkmodelle des systemischen Ansatzes vertiefen.
Im systemischen Coaching werden die Beschreibungen einer Situation nicht vorschnell als feststehende Wirklichkeit behandelt. Stattdessen wird untersucht, wie eine bestimmte Sichtweise entstanden ist, welche Erfahrungen sie stützen und welche Handlungsmöglichkeiten mit ihr verbunden sind.
Eine Führungskraft kann beispielsweise zu der Überzeugung gelangen, dass ihr Team keine Verantwortung übernehmen will. Diese Beschreibung kann wichtige Beobachtungen enthalten. Zugleich lässt sich fragen, unter welchen Bedingungen Mitarbeitende Verantwortung übernehmen, wie Entscheidungen bislang getroffen wurden und welche Reaktionen die Erwartung fehlender Eigeninitiative hervorruft.
Ziel ist nicht, eine unangenehme Wirklichkeit durch eine angenehmere Geschichte zu ersetzen. Es geht darum, Beschreibungen genauer zu prüfen und zusätzliche Perspektiven zu entwickeln. Eine neue Konstruktion ist dann hilfreich, wenn sie zum beobachtbaren Geschehen passt und einen tragfähigeren Umgang mit der Situation ermöglicht.
Hinweis zur Entstehung: Dieser Fachtext wurde mit Unterstützung generativer KI redaktionell ausgearbeitet. Inhaltliche Konzeption und fachliche Verantwortung liegen bei den Betreibern dieser Website. Texte, die auf besonderes Interesse stoßen, werden redaktionell weiterentwickelt.
Wichtige Internetseiten
Wenn Sie konstruktivistische Grundlagen des systemischen Denkens vertiefen möchten, bieten diese Internetseiten fachliche Einordnungen zu Wirklichkeit, Beobachtung und der Brauchbarkeit von Beschreibungen.
Die Beiträge vertiefen die konstruktivistische Annahme, dass Beobachtungen keine vollständigen Abbilder einer unabhängig zugänglichen Wirklichkeit sind. Sie erläutern außerdem, weshalb Beschreibungen danach beurteilt werden können, ob sie sich im jeweiligen Zusammenhang als tragfähig erweisen.
Fragen & Antworten
Was bedeutet es, dass Wirklichkeit konstruiert wird?
Menschen nehmen Geschehen aus einer bestimmten Perspektive wahr und geben ihm eine Bedeutung. Dabei wählen sie einzelne Aspekte aus und stellen Zusammenhänge her. Eine Wirklichkeitskonstruktion ist deshalb eine Beschreibung der Welt, nicht deren vollständiges Abbild.
Behauptet der Konstruktivismus, dass es keine Realität gibt?
Nein. Konstruktivistisches Denken bestreitet nicht, dass Ereignisse reale Bedingungen und Folgen haben. Es weist darauf hin, dass Menschen diese Realität nur durch ihre Wahrnehmung und ihre verfügbaren Begriffe beschreiben können.
Sind dann alle Sichtweisen gleichermaßen richtig?
Nein. Beschreibungen können unterschiedlich gut zu beobachtbaren Entwicklungen passen. Sie können wichtige Tatsachen berücksichtigen oder ausblenden. Im systemischen Arbeiten wird daher auch geprüft, welche Folgen eine Sichtweise hat und ob sie sich im jeweiligen Zusammenhang bewährt.
Warum sind unterschiedliche Wirklichkeiten in Organisationen wichtig?
Führungskräfte und Beschäftigte beurteilen dieselbe Situation häufig anhand anderer Erfahrungen oder Verantwortlichkeiten. Werden diese Unterschiede nicht erkannt, sprechen die Beteiligten scheinbar über dasselbe Thema, beziehen sich jedoch auf verschiedene Bedeutungen und Bewertungskriterien.
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Vertikale Praxis mit Björn Germek
Seit unserer Rückkehr ins Münsterland entwickeln Björn und ich systheco gemeinsam als nebenberufliches Projekt.
Oft, wenn ich an seiner Bürotür vorbeikomme, sitzt er an einem neuen Text oder einer Idee. Ich erlebe, mit welcher Beharrlichkeit er Fragen verfolgt, die ihn beschäftigen. Er gibt sich nie mit schnellen Antworten zufrieden, sondern entwickelt seine Gedanken über viele Jahre hinweg kontinuierlich weiter.
Seit anderthalb Jahrzehnten beobachte ich seine Beschäftigung mit der Vertikalen Praxis als eigenständigem Zugang zu Fragen menschlicher Entwicklung. Manchmal nutze ich einzelne Gedanken daraus auch in meinen Coaching-Formaten. Das Prinzip „Kraft gegen Kraft“ macht vertraute Muster oft unmittelbar körperlich erfahrbar und eröffnet dadurch neue Perspektiven.
Menschen erleben Situationen nicht unabhängig von ihrer bisherigen Erfahrung, ihren Erwartungen und ihrer aktuellen inneren Orientierung. Die Seite „Innere Orientierung“ beschreibt, wie der eigene Bezugspunkt unter widersprüchlichen Einflüssen wieder deutlicher werden kann.