Die kleine Kraft hinzufügen

Björn Germek · Emsdetten

Entwickler der Vertikalen Praxis

Im Kontakt ist häufig bereits Bewegung vorhanden, bevor der eigene Impuls hinzukommt. Richtung, Spannung und Gewicht verändern sich fortlaufend.

Wird diese Bewegung nicht wahrgenommen, entsteht leicht mehr eigene Kraft, als die Situation tatsächlich benötigt.

Die Vertikale Praxis untersucht, wie ein kleiner, aus dem Kontakt hervorgehender Impuls Veränderung ermöglichen kann, ohne das bereits Vorhandene zu überdecken.


Moin, ich bin der Björn.

Bevor du weiterliest, möchte ich dir kurz etwas darüber erzählen, was ich mache und warum es diesen und weitere Texte gibt.

Die Texte sind Teil meiner freiberuflichen Arbeit. Ich veröffentliche sie, weil mich die Themen beschäftigen und weil ich gerne Wissen teile. Genauso wichtig ist mir der Kontakt zu den Menschen, die hier lesen. Deshalb verstehe ich diese Seite als ein Beziehungsangebot. Wenn dich etwas berührt, interessiert oder beschäftigt, freue ich mich über eine Nachricht von dir.


Inhaltsverzeichnis


Kurz erklärt

Die kleine Kraft hinzufügen bedeutet innerhalb der Vertikalen Praxis, einer bereits vorhandenen Bewegung nur denjenigen eigenen Impuls hinzuzufügen, der für eine Veränderung tatsächlich erforderlich ist.

Nicht jede Situation verlangt nach möglichst viel eigener Kraft. Häufig ist bereits eine Richtung, Spannung oder Bewegung vorhanden. Wird sie genau wahrgenommen, kann ein kleiner zusätzlicher Impuls ausreichen, damit sich der Kontakt verändert.

So wenig wie möglich, so viel wie nötig
Die kleine Kraft ist keine feste Stärke. Sie beschreibt ein Verhältnis: Der eigene Beitrag bleibt auf das begrenzt, was die gegenwärtige Situation tatsächlich benötigt.


Wenn Bewegung bereits begonnen hat

Im Kontakt beginnt eine Bewegung selten erst mit dem eigenen bewussten Handeln. Das Gegenüber verlagert sein Gewicht, verändert seine Spannung oder richtet sich bereits auf einen bestimmten Raum aus.

Auch der eigene Körper antwortet fortlaufend. Gelenke passen sich an, die Atmung verändert sich und das Gleichgewicht organisiert sich neu. Vieles davon geschieht, bevor eine klar erkennbare Handlung entsteht.

Wer diese begonnene Bewegung wahrnimmt, muss Veränderung nicht vollständig selbst herstellen. Es wird erkennbar, welche Richtung bereits vorhanden ist und wo ein zusätzlicher Impuls überhaupt wirksam werden könnte.

Die kleine Kraft setzt daher spät genug ein, um die Situation wahrzunehmen, und früh genug, um an ihrer Entwicklung beteiligt zu bleiben.


Den eigenen Anteil unterscheiden

Im körperlichen Kontakt vermischen sich eigene und fremde Bewegung schnell. Eine Kraft kommt an, der eigene Körper reagiert und bereits einen Moment später ist kaum noch eindeutig zu erkennen, welcher Anteil von welcher Seite ausgegangen ist.

Für die kleine Kraft ist diese Unterscheidung bedeutsam. Sie fragt, was schon da war und was durch den eigenen Impuls hinzukommt. Erst dadurch wird die Wirkung des eigenen Beitrags beobachtbar.

Eine solche Wahrnehmung verlangt keine vollständige Trennung. Beide Seiten bleiben miteinander verbunden. Dennoch kann spürbar werden, ob die eigene Bewegung den Kontakt ergänzt oder ihn vollständig übernimmt.

Je klarer der eigene Anteil wahrgenommen wird, desto genauer lässt er sich regulieren. Kraft wird dann nicht aus einer allgemeinen Handlungsbereitschaft heraus eingesetzt, sondern in Beziehung zur gegenwärtigen Situation.


Zu viel Kraft verdeckt Information

Ein starker eigener Impuls kann eine Situation rasch verändern. Gerade dadurch wird jedoch häufig unsichtbar, was sich ohne diesen Impuls entwickelt hätte.

Die Aufmerksamkeit richtet sich auf das eigene Tun. Feinere Reaktionen des Gegenübers gehen unter, weil die Wirkung der eigenen Kraft den Kontakt dominiert. Die Bewegung wird deutlicher, aber weniger lesbar.

Auch die eigene Wahrnehmung kann darunter leiden. Mehr Spannung erzeugt mehr innere Rückmeldung. Diese starke Eigeninformation überlagert leicht die schwächeren Signale, die aus dem Kontakt kommen.

Die kleine Kraft erhält diese Informationen länger. Sie verändert genug, damit etwas geschehen kann, und lässt zugleich sichtbar, wie der Kontakt darauf antwortet.


Björn Germek in der Vertikalen Praxis

Vertikale Praxis – Erfahrungssettings

Diese Seite vertieft ein einzelnes Phänomen der Vertikalen Praxis. Sie gehört zu einem größeren Wissensbereich, der körperliche, relationale und entwicklungsbezogene Erfahrungen aus unterschiedlichen Perspektiven beschreibt.

Zwei Hauptseiten führen von diesem Wissen in konkrete Erfahrungsräume: Chi Sao und Vertikale Selbsterforschung. Auf beiden Seiten wird das jeweilige Erfahrungssetting ausführlich vorgestellt.


Chi Sao stammt ursprünglich aus der südchinesischen Kampfkunst Wing Chun. Die Partnerübung schult die Wahrnehmung von Berührung, Druck, Richtung und Veränderung im unmittelbaren Kontakt. Ich habe sie aus ihrem kämpferischen Zusammenhang heraus weiterentwickelt und an die Grundhaltung der Vertikalen Praxis angepasst.


Vertikale Selbsterforschung ist ein Erfahrungssetting für phänomenologisch orientierte Selbsterforschung. Im Mittelpunkt steht die unmittelbare Wahrnehmung des eigenen Körpers und seiner fortlaufenden Beziehung zur gegenwärtigen Situation. Propriozeption, innere Empfindungen und Resonanz werden dabei zu Zugängen für die gemeinsame Erforschung des eigenen Erlebens.


Der passende Moment

Die Wirkung einer kleinen Kraft hängt wesentlich vom Zeitpunkt ab. Derselbe Impuls kann in einem Moment kaum etwas verändern und wenig später eine deutliche Bewegung auslösen.

Entscheidend ist, wie weit die vorhandene Bewegung bereits entwickelt ist. Manche Veränderungen benötigen zunächst Raum. Wird zu früh eingegriffen, muss der eigene Impuls einen großen Teil der Bewegung selbst erzeugen.

Im passenden Moment ist die Richtung bereits deutlich genug, um daran anzuschließen. Die kleine Kraft fügt sich ein, während der Kontakt für weitere Wahrnehmung offen bleibt.

Dieser Moment lässt sich nicht zuverlässig planen. Er wird über die Veränderung von Spannung, Gleichgewicht und Richtung wahrgenommen.


Kraft aus der Struktur

Eine kleine Kraft ist nicht zwangsläufig eine schwache Kraft. Ihre Wirkung kann erheblich sein, wenn sie aus einer tragfähigen Gesamtorganisation entsteht.

Der Impuls wird dann nicht isoliert durch einen einzelnen Muskel erzeugt. Der Körper als Ganzes trägt ihn. Dadurch kann wenig sichtbare Anstrengung eine klare Richtung vermitteln.

Gleichzeitig bleibt die Struktur offen für Rückmeldung. Der eigene Körper verhärtet nicht vollständig in der ausgeführten Bewegung. Veränderungen des Gegenübers können weiterhin aufgenommen werden.

Auf diese Weise verbindet die kleine Kraft Wirksamkeit und Wahrnehmungsfähigkeit. Ihr Maß ergibt sich aus der Situation, ihre Qualität aus der eigenen Organisation.


Ein Impuls und seine Wirkung

Nach einem kleinen Impuls bleibt Zeit, seine Wirkung zu beobachten. Das Gegenüber reagiert, die gemeinsame Bewegung verändert sich und neue Möglichkeiten werden sichtbar.

Wird unmittelbar ein weiterer Impuls hinzugefügt, kann diese Rückmeldung verloren gehen. Das Handeln setzt sich fort, bevor deutlich wird, was der erste Beitrag ausgelöst hat.

Die kleine Kraft gehört daher zu einer Arbeitsweise, die Wirkung nicht vorwegnimmt. Sie fügt etwas hinzu und bleibt anschließend im Kontakt mit dem, was daraus entsteht.

Manchmal zeigt sich, dass der Impuls ausgereicht hat. In anderen Situationen wird eine weitere Bewegung notwendig. Auch sie entwickelt sich aus der nun veränderten Lage.


Kleine Beiträge in der Begleitung

In therapeutischer oder beratender Begleitung kann ein kleiner Beitrag eine Beobachtung, eine Frage oder eine kurze Rückmeldung sein. Seine Bedeutung liegt weniger in der sprachlichen Größe als in seinem Verhältnis zum gegenwärtigen Prozess.

Ein Satz kann an etwas anknüpfen, das bereits spürbar geworden ist. Er gibt einer beginnenden Bewegung eine zusätzliche Richtung, ohne sie vollständig zu erklären.

Ebenso kann das Ausbleiben eines erwarteten Beitrags wirksam werden. Ein Moment des Wartens lässt möglicherweise deutlicher hervortreten, was der andere selbst aufnimmt oder weiterführt.

Die kleine Kraft ist damit keine Regel für möglichst geringe Aktivität. Sie beschreibt eine Aufmerksamkeit dafür, wie viel eigener Beitrag eine Situation gegenwärtig tragen kann.


Hinweis zur Entstehung: Dieser Fachtext wurde mit Unterstützung generativer KI redaktionell ausgearbeitet. Inhaltliche Konzeption und fachliche Verantwortung liegen bei den Betreibern dieser Website. Texte, die auf besonderes Interesse stoßen, werden redaktionell weiterentwickelt.

Wichtige Internetseiten

Die folgenden Fachquellen untersuchen, wie kleine Kontaktkräfte Bewegungsabsichten vermitteln, körperliche Koordination beeinflussen und über propriozeptive Wahrnehmung erfasst werden können.

„Die kleine Kraft hinzufügen“ ist ein spezifischer Arbeitsbegriff der Vertikalen Praxis und geht auf Erfahrungen aus dem Chi Sao zurück. Wissenschaftlich untersucht werden verwandte Phänomene wie kleine Interaktionskräfte, haptische Kommunikation, Propriozeption und zwischenmenschliche Bewegungskoordination. Die Quellen bestätigen daher nicht den Begriff als eigenständiges wissenschaftliches Konzept, zeigen jedoch, dass bereits geringe Kräfte Informationen vermitteln und Bewegungen beeinflussen können.


Fragen & Antworten

Was ist mit der kleinen Kraft gemeint?
Gemeint ist kein festgelegtes Maß an körperlicher Kraft. Die kleine Kraft bezeichnet denjenigen eigenen Impuls, der einer bereits vorhandenen Bewegung hinzugefügt wird, ohne sie unnötig zu überlagern.
Warum ist weniger Kraft manchmal wirkungsvoller?
Wenn eine Bewegung bereits vorhanden ist, kann ein kleiner, passend ausgerichteter Impuls ausreichen, um sie zu verändern. Zusätzliche Kraft kann dagegen die Wahrnehmung verengen oder eine neue Gegenbewegung hervorrufen.
Bedeutet die kleine Kraft, möglichst schwach zu handeln?
Nein. Sie setzt eine tragfähige eigene Struktur voraus. Die Kraft wird nicht aus Unsicherheit zurückgenommen, sondern entsprechend dem reguliert, was im gegenwärtigen Kontakt tatsächlich erforderlich erscheint.
Lässt sich das Prinzip auch auf Gespräche übertragen?
Vergleichbare Erfahrungen können auch in Begleitung und Kommunikation entstehen. Eine kurze Rückmeldung, eine einzelne Frage oder bewusstes Warten kann an einen bereits begonnenen Prozess anschließen, ohne ihn vollständig in eine vorgegebene Richtung zu lenken.

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Porträt von Britta Germek

Systemisches Coaching mit Britta Germek

Britta und ich sind verheiratet und Eltern eines tollen Jungen. Seit unserer Rückkehr ins Münsterland entwickeln wir systheco als gemeinsames, nebenberufliches Projekt. Während ich in meinem Büro sitze und neue Texte schreibe, höre ich sie nebenan telefonieren. Nicht laut, aber ausreichend, um die Direktheit ihrer Stimme wahrzunehmen.

Als wir noch in Köln lebten, arbeitete Britta bei den Ford-Werken. Dort begleitete sie Führungskräfte unterschiedlicher Bereiche in Veränderungsprozessen. Britta mag die Zusammenarbeit mit hemdsärmeligen Leuten. Sie bleibt beharrlich, bis die Dinge auf den Punkt kommen. Gleichzeitig hat sie Geduld, wenn Menschen Zeit brauchen, Beobachtungen anzunehmen.



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