Durchlässigkeit

Björn Germek · Emsdetten

Entwickler der Vertikalen Praxis

Im Kontakt mit anderen Menschen richtet sich die Aufmerksamkeit häufig entweder nach außen oder nach innen. Wir beobachten das Gegenüber und verlieren uns selbst aus dem Blick – oder wir sind so stark mit dem eigenen Erleben beschäftigt, dass die tatsächliche Situation kaum noch erreichbar bleibt.

Durchlässigkeit bezeichnet innerhalb der Vertikalen Praxis die Möglichkeit, diese Trennung zunehmend zu überwinden. Der eigene Körper, innere Reaktionen und äußere Einwirkungen können gleichzeitig wahrnehmbar bleiben.

Es geht dabei nicht um grenzenlose Offenheit. Durchlässigkeit entsteht vielmehr dort, wo ein Mensch mit sich selbst verbunden bleibt und sich gerade deshalb beweglich auf die Wirklichkeit einlassen kann.


Moin, ich bin der Björn.

Bevor du weiterliest, möchte ich dir kurz etwas darüber erzählen, was ich mache und warum es diesen und weitere Texte gibt.

Die Texte sind Teil meiner freiberuflichen Arbeit. Ich veröffentliche sie, weil mich die Themen beschäftigen und weil ich gerne Wissen teile. Genauso wichtig ist mir der Kontakt zu den Menschen, die hier lesen. Deshalb verstehe ich diese Seite als ein Beziehungsangebot. Wenn dich etwas berührt, interessiert oder beschäftigt, freue ich mich über eine Nachricht von dir.


Inhaltsverzeichnis


Kurz erklärt

Durchlässigkeit bezeichnet innerhalb der Vertikalen Praxis die Möglichkeit, gleichzeitig mit dem eigenen Erleben und mit der gegenwärtigen Wirklichkeit in Kontakt zu bleiben.

Ein Mensch muss sich dann weder vollständig nach innen zurückziehen noch ganz im Außen aufgehen. Körperempfindungen, eigene Impulse und das, was in einer Situation geschieht, können zunehmend nebeneinander wahrnehmbar bleiben.

Wichtig:
Durchlässigkeit bedeutet nicht Schutzlosigkeit. Sie beschreibt eine Form von Offenheit, bei der die eigene Orientierung auch im Kontakt mit anderen Menschen erhalten bleibt.


Was bedeutet Durchlässigkeit?

In manchen Situationen richtet sich die Aufmerksamkeit fast vollständig nach außen. Ein Mensch versucht dann möglicherweise, das Gegenüber genau einzuschätzen, Erwartungen zu erfüllen oder eine drohende Reaktion frühzeitig zu erkennen. Was währenddessen im eigenen Körper geschieht, tritt in den Hintergrund.

In anderen Situationen geschieht das Gegenteil. Die Aufmerksamkeit zieht sich nach innen zurück. Gedanken, Gefühle und körperliche Empfindungen werden so bestimmend, dass die tatsächliche Situation und die Signale des Gegenübers kaum noch erreichbar erscheinen.

Durchlässigkeit beschreibt eine andere Möglichkeit. Das eigene Erleben und das Geschehen im Außen müssen nicht voneinander getrennt werden. Beides kann gleichzeitig Teil einer gemeinsamen Wahrnehmung bleiben.


Zwischen innen und außen

Menschen begegnen ihrer Umwelt nicht aus einem abgeschlossenen Inneren heraus. Wahrnehmung, Körperspannung, Gefühle und Handlungsimpulse verändern sich fortlaufend in Beziehung zu dem, was in einer Situation geschieht.

Ein bestimmter Tonfall kann beispielsweise die Atmung verändern. Eine unerwartete Berührung kann Spannung auslösen. Ein freundlicher Blick kann den Körper entspannen. Zugleich wirkt die eigene körperliche und innere Organisation darauf zurück, wie eine Situation wahrgenommen und beantwortet wird.

Innerhalb der Vertikalen Praxis wird Durchlässigkeit deshalb nicht als Öffnung einer festen Grenze verstanden. Sie beschreibt vielmehr die zunehmende Fähigkeit, diesen fortlaufenden Austausch wahrzunehmen, ohne dabei den Kontakt zu sich selbst oder zur äußeren Situation zu verlieren.


Björn Germek in der Vertikalen Praxis

Vertikale Praxis – Erfahrungssettings

Diese Seite vertieft ein einzelnes Phänomen der Vertikalen Praxis. Sie gehört zu einem größeren Wissensbereich, der körperliche, relationale und entwicklungsbezogene Erfahrungen aus unterschiedlichen Perspektiven beschreibt.

Zwei Hauptseiten führen von diesem Wissen in konkrete Erfahrungsräume: Chi Sao und Vertikale Selbsterforschung. Auf beiden Seiten wird das jeweilige Erfahrungssetting ausführlich vorgestellt.


Chi Sao stammt ursprünglich aus der südchinesischen Kampfkunst Wing Chun. Die Partnerübung schult die Wahrnehmung von Berührung, Druck, Richtung und Veränderung im unmittelbaren Kontakt. Ich habe sie aus ihrem kämpferischen Zusammenhang heraus weiterentwickelt und an die Grundhaltung der Vertikalen Praxis angepasst.


Vertikale Selbsterforschung ist ein Erfahrungssetting für phänomenologisch orientierte Selbsterforschung. Im Mittelpunkt steht die unmittelbare Wahrnehmung des eigenen Körpers und seiner fortlaufenden Beziehung zur gegenwärtigen Situation. Propriozeption, innere Empfindungen und Resonanz werden dabei zu Zugängen für die gemeinsame Erforschung des eigenen Erlebens.


Der Körper als Kontaktorgan

Jeder Kontakt zur Wirklichkeit geschieht verkörpert. Menschen hören, sehen, sprechen und handeln nicht als abstraktes Bewusstsein, sondern als leibliche Wesen. Deshalb können Veränderungen des Kontakts häufig auch körperlich beobachtet werden.

Die Atmung wird möglicherweise flacher. Der Brustkorb spannt sich an. Der Blick verengt sich. Das Gewicht verlagert sich, oder eine Bewegung wird bereits vorbereitet, bevor eine bewusste Entscheidung getroffen wurde.

Solche Beobachtungen müssen nicht sofort erklärt werden. Zunächst können sie als Information darüber dienen, wie sich ein Mensch in einer bestimmten Situation organisiert. Der Körper wird damit zu einem wichtigen Kontaktorgan, nicht weil er mehr Wahrheit besäße als Gedanken oder Sprache, sondern weil sich Begegnung immer auch in ihm vollzieht.


Vertikale Durchlässigkeit

Vertikale Durchlässigkeit bezeichnet die Möglichkeit, den eigenen Organismus auch während einer äußeren Anforderung wahrnehmbar zu halten. Ein Mensch hört, spricht, denkt oder handelt und verliert dabei den Bezug zu den eigenen Empfindungen nicht vollständig.

Die Aufmerksamkeit muss dann nicht ständig zwischen innen und außen wechseln. Sie kann sich erweitern. Die eigene Atmung, der Kontakt zum Boden, eine entstehende Spannung und die Reaktion des Gegenübers können gleichzeitig zugänglich bleiben.

Diese Gleichzeitigkeit ist nicht in jeder Situation gleichermaßen möglich. Unter Belastung kann sie rasch verloren gehen. Innerhalb der Vertikalen Praxis bildet die wiederholte Rückkehr zu dieser Wahrnehmung deshalb eine fortlaufende Praxis und keinen dauerhaft erreichbaren Zustand.


Horizontale Durchlässigkeit

Je besser ein Mensch während einer Begegnung mit dem eigenen Organismus verbunden bleibt, desto weniger muss das Gegenüber ausschließlich als Bedrohung, Hindernis oder zu bewältigende Aufgabe erscheinen.

Im horizontalen Kontakt können dann möglicherweise Lücken, Richtungswechsel und gemeinsame Bewegungsmöglichkeiten wahrgenommen werden. Statt nur Widerstand oder Konfrontation zu erleben, wird erfahrbar, wo eine Situation offen und veränderbar bleibt.

Horizontale Durchlässigkeit bedeutet deshalb nicht, allen Erwartungen nachzugeben. Sie beschreibt die Möglichkeit, sich im Kontakt zu bewegen, ohne entweder starr gegenzuhalten oder die eigene Position vollständig aufzugeben.


Durchlässigkeit unter Druck

Unter Druck verengt sich Wahrnehmung häufig. Aufmerksamkeit richtet sich auf das, was gefährlich, dringlich oder besonders bedeutsam erscheint. Gleichzeitig steigen Körperspannung und Handlungsbereitschaft.

Diese Reaktion kann sinnvoll sein. Sie erschwert jedoch häufig, den eigenen Organismus, das Gegenüber und die gesamte Situation gleichzeitig wahrzunehmen. Menschen reagieren dann möglicherweise schneller, als sie erfassen können, worauf sie eigentlich reagieren.

Durchlässigkeit zeigt sich unter solchen Bedingungen nicht darin, vollkommen entspannt zu bleiben. Entscheidend ist vielmehr, ob trotz der Belastung ein Mindestmaß an Wahrnehmung erhalten bleibt, aus dem heraus Anpassung und eine bewusste Handlung noch möglich werden.


Durchlässigkeit im Chi Sao

Im Chi Sao lässt sich Durchlässigkeit unmittelbar körperlich untersuchen. Zwei Menschen bleiben über ihre Arme in fortlaufendem Kontakt. Jede Veränderung von Richtung, Druck und Spannung wirkt sich auf beide Beteiligten aus.

Wer ausschließlich eigene Kraft einsetzt, nimmt die Bewegung des Gegenübers möglicherweise immer weniger wahr. Wer dagegen nur nachgibt, kann die eigene Struktur und Ausrichtung verlieren.

Durchlässigkeit entsteht dort, wo die eigene Organisation erhalten bleibt und die Kraft des Gegenübers zugleich wahrgenommen werden kann. Aus dieser Gleichzeitigkeit können spontane Anpassung, Beweglichkeit und eine Form des Kontakts entstehen, die weder auf Durchsetzen noch auf Ausweichen reduziert ist.


Wie sich Durchlässigkeit entwickeln kann

Durchlässigkeit lässt sich vermutlich nicht unmittelbar durch Willensanstrengung herstellen. Der Versuch, gleichzeitig alles wahrnehmen zu wollen, kann selbst neue Spannung erzeugen und die Aufmerksamkeit zusätzlich verengen.

Entwicklung kann vielmehr durch wiederholte Erfahrungen entstehen, in denen der Kontakt auch bei Unsicherheit, Widerstand oder Belastung nicht vollständig verloren geht. Was zunächst nur für kurze Augenblicke gelingt, kann mit der Zeit leichter zugänglich werden.

Die Vertikale Praxis versteht Durchlässigkeit deshalb nicht als erreichbares Endziel. Sie beschreibt eine Entwicklungsrichtung: die zunehmende Möglichkeit, sich selbst und der Wirklichkeit gleichzeitig zu begegnen, ohne eine der beiden Seiten aus der Wahrnehmung ausschließen zu müssen.


Hinweis zur Entstehung: Dieser Fachtext wurde mit Unterstützung generativer KI redaktionell ausgearbeitet. Inhaltliche Konzeption und fachliche Verantwortung liegen bei den Betreibern dieser Website. Texte, die auf besonderes Interesse stoßen, werden redaktionell weiterentwickelt.

Wichtige Internetseiten

Die Fähigkeit, gleichzeitig innere Körperzustände und äußere Einwirkungen wahrzunehmen, wird in verschiedenen Forschungsfeldern untersucht. Dazu gehören Interozeption, Propriozeption, Körperbewusstsein sowie die sensomotorische Verarbeitung von Berührung und Bewegung.

Die wissenschaftlichen Quellen beschreiben Interozeption, Propriozeption und Körperbewusstsein aus neurophysiologischer Perspektive. Die Vertikale Praxis verwendet den Begriff Durchlässigkeit zusätzlich für die gleichzeitige Wahrnehmung des eigenen Körpers und der gegenwärtigen Beziehung zur Umgebung.


Fragen & Antworten

Was bedeutet Durchlässigkeit in der Vertikalen Praxis?
Durchlässigkeit bezeichnet die Möglichkeit, das eigene körperliche und innere Erleben wahrnehmbar zu halten und zugleich mit dem gegenwärtigen Geschehen im Außen in Kontakt zu bleiben. Weder das Innere noch das Äußere soll dabei die Wahrnehmung vollständig bestimmen.
Bedeutet Durchlässigkeit, sich nicht mehr abzugrenzen?
Nein. Durchlässigkeit ist nicht mit Schutzlosigkeit, Anpassung oder fehlenden Grenzen gleichzusetzen. Eine tragfähige eigene Orientierung ermöglicht es vielmehr, äußere Einwirkungen wahrzunehmen, ohne ihnen vollständig ausgeliefert zu sein.
Was ist der Unterschied zwischen vertikaler und horizontaler Durchlässigkeit?
Vertikale Durchlässigkeit meint den gleichzeitigen Kontakt zum eigenen Organismus und zur äußeren Situation. Horizontale Durchlässigkeit beschreibt die daraus entstehende Möglichkeit, innerhalb einer Begegnung Bewegungsräume, Richtungswechsel und Öffnungen wahrzunehmen, statt nur Widerstand oder Bedrohung zu erleben.
Kann Durchlässigkeit geübt werden?
Durchlässigkeit lässt sich nicht einfach durch Willenskraft herstellen. Sie kann sich jedoch durch wiederholte Erfahrungen entwickeln, in denen Wahrnehmung und Kontakt auch unter leichter Irritation oder Belastung erhalten bleiben. Chi Sao und Vertikale Selbsterforschung bieten unterschiedliche Erfahrungsräume dafür.

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Porträt von Britta Germek

Systemisches Coaching mit Britta Germek

Britta und ich sind verheiratet und Eltern eines tollen Jungen. Seit unserer Rückkehr ins Münsterland entwickeln wir systheco als gemeinsames, nebenberufliches Projekt. Während ich in meinem Büro sitze und neue Texte schreibe, höre ich sie nebenan telefonieren. Nicht laut, aber ausreichend, um die Direktheit ihrer Stimme wahrzunehmen.

Als wir noch in Köln lebten, arbeitete Britta bei den Ford-Werken. Dort begleitete sie Führungskräfte unterschiedlicher Bereiche in Veränderungsprozessen. Britta mag die Zusammenarbeit mit hemdsärmeligen Leuten. Sie bleibt beharrlich, bis die Dinge auf den Punkt kommen. Gleichzeitig hat sie Geduld, wenn Menschen Zeit brauchen, Beobachtungen anzunehmen.



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