Eine Bewegung kann genau der gezeigten Form entsprechen und sich im eigenen Körper dennoch fremd anfühlen. Sobald sich Druck, Richtung oder Geschwindigkeit verändern, zeigt sich, wie weit die äußere Technik bereits mit der eigenen Wahrnehmung verbunden ist.
Erfahrung entsteht im Vollzug. Der Mensch bewegt sich, nimmt die Wirkung wahr und stimmt seine nächste Antwort auf die tatsächliche Situation ab. Aus Wiederholung entwickelt sich dabei mehr als ein eingeübter Ablauf.
Die Vertikale Praxis nutzt Techniken als Zugänge zu beobachtbaren Erfahrungen. Mit wachsendem Verständnis wird die Form beweglicher und kann aus dem gegenwärtigen Kontakt heraus immer wieder neu entstehen.
Moin, ich bin der Björn.
Bevor du weiterliest, möchte ich dir kurz etwas darüber erzählen, was ich mache und warum es diesen und weitere Texte gibt.
Die Texte sind Teil meiner freiberuflichen Arbeit. Ich veröffentliche sie, weil mich die Themen beschäftigen und weil ich gerne Wissen teile. Genauso wichtig ist mir der Kontakt zu den Menschen, die hier lesen. Deshalb verstehe ich diese Seite als ein Beziehungsangebot. Wenn dich etwas berührt, interessiert oder beschäftigt, freue ich mich über eine Nachricht von dir.
Erfahrung statt Technik beschreibt innerhalb der Vertikalen Praxis eine Form des Lernens, bei der das eigene Erleben und der tatsächliche Kontakt zum Ausgangspunkt werden.
Eine Technik kann eine Bewegung, eine Frage oder eine mögliche Vorgehensweise anbieten. Ihre Bedeutung entsteht jedoch erst darin, was während der Anwendung wahrnehmbar wird: Wie verändert sich der Körper? Welche Wirkung entsteht beim Gegenüber? Passt die Handlung noch zur gegenwärtigen Situation?
Wahrnehmung führt weiter
Entwicklung zeigt sich dort, wo ein Mensch eine vertraute Form an die wirklichen Bedingungen anpassen kann. Aus einer übernommenen Technik wird dadurch allmählich eine eigene, verkörperte Erfahrung.
Wenn eine Bewegung richtig aussieht
Eine Bewegung kann von außen überzeugend wirken. Die Haltung stimmt, die Hände befinden sich an der vorgesehenen Stelle und der Ablauf entspricht dem gezeigten Muster. Im eigenen Erleben bleibt sie dennoch fremd. Der Körper führt eine Form aus, deren Zusammenhang kaum spürbar ist.
Häufig zeigt sich diese Differenz erst unter veränderten Bedingungen. Solange das Gegenüber den erwarteten Druck gibt, funktioniert der Ablauf. Wird die Kraft etwas stärker, kommt sie aus einer anderen Richtung oder verändert sich früher als vorgesehen, gerät die Bewegung ins Stocken.
Der Mensch versucht dann möglicherweise, die gelernte Form genauer zu wiederholen. Die Arme werden bewusst positioniert, die Haltung stärker kontrolliert und einzelne Schritte innerlich aufgerufen. Mit wachsendem Bemühen nimmt die Wahrnehmung der tatsächlichen Einwirkung jedoch häufig ab.
Auch in Gesprächen lässt sich ein solcher Übergang beobachten. Eine erlernte Frage wird zum richtigen Zeitpunkt gestellt, bleibt aber ohne lebendigen Bezug zu dem, was gerade geschieht. Das Gegenüber antwortet, während die Aufmerksamkeit bereits bei der nächsten vorgesehenen Frage liegt.
Die äußere Form kann dadurch fachlich korrekt und zugleich kontaktarm werden. Innerhalb der Vertikalen Praxis entsteht Lernen deshalb erst dort vollständig, wo eine Handlung mit dem eigenen Erleben und der gegenwärtigen Situation verbunden wird.
Technik gibt eine erste Orientierung
Techniken können Lernen erleichtern. Sie verdichten Erfahrungen, die andere Menschen bereits gemacht haben, und stellen eine erste Form zur Verfügung. Ein Bewegungsablauf, eine Gesprächsstruktur oder eine bestimmte Art des Fragens kann den Einstieg in ein unbekanntes Feld ermöglichen.
Gerade zu Beginn schafft eine klare Form Orientierung. Der Lernende muss die Situation noch nicht in ihrer gesamten Komplexität erfassen. Er erhält einen überschaubaren Rahmen, innerhalb dessen erste Unterschiede wahrnehmbar werden.
Im Chi Sao kann eine vorgegebene Handposition beispielsweise zeigen, in welchem Raum Kontakt gehalten werden soll. Eine Schrittfolge macht erfahrbar, wie sich das Gewicht verlagert. Die Technik bündelt Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Ausschnitt des Geschehens.
Auch in therapeutischer oder beratender Arbeit können Verfahren hilfreiche Strukturen anbieten. Eine offene Frage, eine Rückmeldung zur Körperwahrnehmung oder eine vereinbarte Pause verändert den Ablauf und eröffnet eine neue Beobachtungsmöglichkeit.
Die Technik erfüllt ihre Funktion, wenn sie Wahrnehmung ermöglicht. Sie bietet eine Form, an der Erfahrungen entstehen können. Mit wachsender Erfahrung darf diese Form beweglicher werden und sich an unterschiedliche Menschen, Situationen und Kontaktqualitäten anpassen.
Erfahrung entsteht im Vollzug
Erfahrung lässt sich nur begrenzt durch Erklärung vermitteln. Ein Mensch kann verstehen, wie Gleichgewicht beschrieben wird, und verliert es dennoch, sobald eine unerwartete Kraft einwirkt. Erst im tatsächlichen Geschehen wird spürbar, wie der eigene Körper auf diese Einwirkung antwortet.
Dabei zeigt sich mehr als die Anwendung einer bekannten Form. Der Organismus bringt seine bisherigen Gewohnheiten, Erwartungen und Schutzbewegungen in die Situation ein. Manche Menschen werden unter Druck fester, andere weichen frühzeitig zurück. Wieder andere erhöhen ihre Geschwindigkeit.
Diese Reaktionen sind Teil der Erfahrung. Sie machen sichtbar, wie eine Situation gegenwärtig organisiert wird. Die gelernte Technik trifft auf einen lebendigen Körper und auf Bedingungen, die sich fortlaufend verändern.
Erfahrung entsteht deshalb im Vollzug. Ein Mensch bewegt sich, spürt die Wirkung, verändert etwas und nimmt die nächste Antwort auf. Jede Bewegung enthält Informationen für die folgende. Lernen verläuft als fortlaufende Abstimmung.
Auch ein Gespräch gewinnt seine Bedeutung erst in diesem Vollzug. Eine Frage verändert den Kontakt. Das Gegenüber wird ruhiger, lebendiger, vorsichtiger oder verliert den Faden. Die Reaktion zeigt, welche Wirkung die Frage unter den gegenwärtigen Bedingungen entfaltet.
Aus dieser Rückmeldung entsteht fachliche Urteilskraft. Der Mensch lernt, eine Handlung an ihrer Wirkung zu prüfen und sie entsprechend weiterzuentwickeln. Wissen und Erfahrung verbinden sich dabei zunehmend miteinander.
Der Unterschied wird körperlich spürbar
Eine übernommene Technik wird häufig mit zusätzlicher Kontrolle ausgeführt. Der Körper versucht, eine vorgestellte Form herzustellen. Einzelne Muskeln arbeiten stärker, der Atem wird kleiner und die Aufmerksamkeit richtet sich auf die korrekte Ausführung.
Mit wachsender Erfahrung verändert sich diese Organisation. Die Bewegung entsteht aus einem größeren körperlichen Zusammenhang. Der Bodenbezug, die vertikale Achse und die Richtung der einwirkenden Kraft werden gemeinsam wahrnehmbar.
Dadurch benötigt die Handlung oft weniger bewusste Steuerung. Der Körper erinnert sich an keine starre Abfolge, sondern an Beziehungen zwischen Kräften, Raum und Bewegung. Er erkennt Ähnlichkeiten, obwohl die konkrete Situation neu ist.
Diese Veränderung lässt sich als zunehmende Verkörperung beschreiben. Wissen bleibt im Denken verfügbar und wird zugleich Teil der Wahrnehmungs- und Bewegungsorganisation. Eine Haltung muss dann weniger hergestellt werden, weil der Körper ihre Funktion erfahren hat.
Auch sprachliche Erfahrung kann sich verkörpern. Ein Begleiter spürt, wann eine Frage Raum öffnet und wann sie zusätzlichen Druck erzeugt. Er hört die eigene Stimme, nimmt die Reaktion des Gegenübers auf und verändert sein Tempo. Seine fachliche Orientierung wird im Kontakt körperlich wirksam.
Vom Nachmachen zum Wahrnehmen
Nachmachen gehört zu vielen Lernprozessen. Ein Mensch beobachtet eine Bewegung, übernimmt ihre sichtbare Form und erhält dadurch einen ersten Zugang. Der Körper sammelt Erfahrungen mit Abläufen, Richtungen und Positionen.
Im weiteren Verlauf verschiebt sich der Schwerpunkt. Die Frage lautet zunehmend, was während der Bewegung geschieht. Wo entsteht Druck? Wann verändert sich das Gleichgewicht? Welche Spannung unterstützt den Kontakt, und an welcher Stelle wird sie zu zusätzlicher Anstrengung?
Der Lernende beginnt, Unterschiede zu erkennen, die äußerlich kaum sichtbar sind. Zwei fast gleiche Bewegungen können sich völlig verschieden anfühlen. Eine bleibt in der Struktur verbunden, während die andere vor allem aus den Armen entsteht.
Wahrnehmung macht diese Unterschiede zugänglich. Sie ermöglicht, eine Technik von innen zu verstehen. Der Mensch erlebt ihre Funktion, ihre Grenzen und die Bedingungen, unter denen sie tragfähig wird.
Dadurch verändert sich auch das Verhältnis zum Vorbild. Der Lehrer bleibt eine wichtige Orientierung, doch seine Bewegung muss nicht kopiert werden. Der Lernende beginnt, denselben Zusammenhang im eigenen Körper und unter den eigenen Voraussetzungen zu erforschen.
Aus dem Nachmachen wird ein eigenständiger Lernprozess. Die äußere Form dient weiterhin als Bezugspunkt, während die konkrete Erfahrung darüber entscheidet, wie sie im jeweiligen Moment ausgeführt wird.
Vertikale Praxis – Erfahrungssettings
Diese Seite vertieft ein einzelnes Phänomen der Vertikalen Praxis. Sie gehört zu einem größeren Wissensbereich, der körperliche, relationale und entwicklungsbezogene Erfahrungen aus unterschiedlichen Perspektiven beschreibt.
Zwei Hauptseiten führen von diesem Wissen in konkrete Erfahrungsräume: Chi Sao und Vertikale Selbsterforschung. Auf beiden Seiten wird das jeweilige Erfahrungssetting ausführlich vorgestellt.
Chi Sao stammt ursprünglich aus der südchinesischen Kampfkunst Wing Chun. Die Partnerübung schult die Wahrnehmung von Berührung, Druck, Richtung und Veränderung im unmittelbaren Kontakt. Ich habe sie aus ihrem kämpferischen Zusammenhang heraus weiterentwickelt und an die Grundhaltung der Vertikalen Praxis angepasst.
Vertikale Selbsterforschung ist ein Erfahrungssetting für phänomenologisch orientierte Selbsterforschung. Im Mittelpunkt steht die unmittelbare Wahrnehmung des eigenen Körpers und seiner fortlaufenden Beziehung zur gegenwärtigen Situation. Propriozeption, innere Empfindungen und Resonanz werden dabei zu Zugängen für die gemeinsame Erforschung des eigenen Erlebens.
Eine Technik wird häufig zunächst als klar begrenzte Handlung gelernt. Unter realen Bedingungen trifft sie jedoch auf ein Gegenüber, das eigene Bewegungen, Erwartungen und Reaktionen mitbringt. Dadurch verändert sich jede Ausführung.
Im körperlichen Kontakt entsteht Bewegung aus der wechselseitigen Einwirkung. Eine Kraft kommt früher, langsamer oder in einem anderen Winkel als erwartet. Der Körper muss seine Organisation anpassen, während der Kontakt bestehen bleibt.
Die Qualität der Bewegung zeigt sich dann in ihrer Antwortfähigkeit. Sie kann eine vorhandene Richtung aufnehmen, eine Lücke nutzen oder den eigenen Impuls vermindern. Die Technik wird zu einem beweglichen Zusammenhang, der sich im Kontakt fortlaufend neu bildet.
Ähnliches geschieht in Gesprächen. Eine vorbereitete Intervention erhält ihre tatsächliche Form erst durch die Reaktion des Gegenübers. Ein Schweigen kann Raum brauchen, eine Nachfrage oder eine klare Begrenzung. Die Situation selbst informiert darüber, welche Fortsetzung tragfähig erscheint.
Kontakt verleiht der Handlung damit ihre Genauigkeit. Der Mensch orientiert sich an dem, was wirklich geschieht. Erfahrung zeigt sich in der Fähigkeit, eine vorhandene Form beizubehalten, zu verändern oder für einen Moment ruhen zu lassen.
Lernen ohne vorgefertigtes Ergebnis
Viele Techniken tragen ein erwartetes Ergebnis in sich. Eine Übung soll entspannen, eine Frage soll Einsicht erzeugen oder eine Bewegung soll den Druck des Gegenübers auflösen. Diese Erwartung gibt dem Handeln eine Richtung.
Gleichzeitig kann sie die Wahrnehmung verengen. Der Mensch achtet dann vor allem darauf, ob das gewünschte Ergebnis eintritt. Andere Wirkungen erscheinen als Abweichung oder als Zeichen einer fehlerhaften Ausführung.
Erfahrungsorientiertes Lernen hält den Ausgang zunächst offener. Eine Übung wird durchgeführt, und ihre Wirkung wird beobachtet. Vielleicht entsteht mehr Ruhe. Vielleicht wird eine bisher übersehene Spannung deutlicher. Beides liefert Informationen über den gegenwärtigen Zustand.
Diese Offenheit bedeutet keine Beliebigkeit. Die Handlung besitzt weiterhin einen fachlichen Grund und findet innerhalb eines vereinbarten Rahmens statt. Offen bleibt, wie der konkrete Mensch unter den konkreten Bedingungen darauf antwortet.
Das Ergebnis wird dadurch weniger hergestellt und genauer entdeckt. Lernen folgt den tatsächlich auftretenden Phänomenen. Auch Irritation, Widerstand oder ein unerwarteter Verlauf können den nächsten sinnvollen Schritt sichtbar machen.
In dieser Form wird Erfahrung zu einem gemeinsamen Forschungsprozess. Theorie und Technik geben Orientierung. Die Wirklichkeit der Situation entscheidet, welche Bedeutung sie im jeweiligen Moment erhalten.
Die Rolle des Begleiters
Ein Begleiter verfügt häufig über Verfahren, Modelle und langjährige Erfahrung. Diese Kenntnisse helfen ihm, Situationen einzuordnen und mögliche nächste Schritte zu erkennen. Zugleich bleibt die Erfahrung des anderen Menschen nur im gemeinsamen Kontakt zugänglich.
Der Begleiter kann eine Übung anbieten, eine Beobachtung mitteilen oder eine Frage stellen. Danach richtet sich seine Aufmerksamkeit auf die Wirkung. Wie verändert sich der Atem? Wird die Stimme klarer? Entsteht mehr Orientierung oder zieht sich der Mensch aus dem Kontakt zurück?
Fachlichkeit zeigt sich dabei in der Verbindung von Wissen und Wahrnehmung. Der Begleiter kennt mögliche Zusammenhänge und bleibt bereit, seine Annahmen an der tatsächlichen Reaktion zu überprüfen.
Auch seine eigene körperliche Organisation gehört zum Prozess. Vielleicht wird er unruhig, wenn eine Übung keine erkennbare Wirkung zeigt. Der Wunsch, zu helfen, kann sein Tempo erhöhen oder zu weiteren Interventionen führen.
Selbstwahrnehmung schafft hier einen Zwischenraum. Der Begleiter bemerkt seinen Impuls und kann erneut prüfen, was die Situation gerade braucht. Manchmal entsteht der nächste Schritt aus einer klaren Intervention. In anderen Momenten trägt eine Pause mehr zum Kontakt bei.
Erfahrung statt Technik beschreibt daher auch eine professionelle Haltung. Methoden bleiben verfügbar, während ihre Anwendung der gegenwärtigen Beziehung folgt.
Wenn Techniken Sicherheit geben
Techniken können ein starkes Gefühl von Sicherheit vermitteln. Eine bekannte Abfolge reduziert Ungewissheit. Der Mensch weiß, was als Nächstes geschieht, und kann sich an einer klaren Struktur orientieren.
Diese Sicherheit besitzt einen realen Wert. Gerade in neuen oder belastenden Situationen schafft ein verlässlicher Ablauf genügend Stabilität, um überhaupt Erfahrungen sammeln zu können. Wiederholung unterstützt den Körper dabei, Zusammenhänge kennenzulernen.
Mit der Zeit kann die vertraute Form jedoch so wichtig werden, dass Abweichungen als Bedrohung erlebt werden. Der Mensch hält stärker an der Technik fest, sobald die Situation unübersichtlich wird. Gerade dann wäre eine feinere Wahrnehmung der veränderten Bedingungen hilfreich.
Der Übergang zur Erfahrung geschieht schrittweise. Zunächst bleibt die Technik vollständig erhalten. Später wird ein einzelnes Element variiert. Das Tempo verändert sich, der Druck kommt aus einer neuen Richtung oder eine Frage wird in einem anderen Moment gestellt.
Dadurch wächst eine zweite Form von Sicherheit. Sie beruht weniger auf einem festen Ablauf und stärker auf der eigenen Fähigkeit, Unterschiede wahrzunehmen und angemessen zu antworten. Die Technik bleibt verfügbar, während der Kontakt ihre konkrete Anwendung führt.
Bedeutung für die Vertikale Praxis
Die Vertikale Praxis entwickelt ihre Begriffe aus beobachtbaren Erfahrungen. Praxis geht Theorie voraus. Diese Grundhaltung prägt auch das Verhältnis zu Techniken.
Eine Technik kann Aufmerksamkeit lenken und einen Erfahrungsraum strukturieren. Ihre fachliche Bedeutung zeigt sich in dem, was während ihrer Anwendung tatsächlich wahrnehmbar wird. Der Körper, das Gegenüber und die Situation geben fortlaufend Rückmeldung.
Vertikale Praxis entsteht deshalb im Kontakt mit Wirklichkeit. Ein Mensch übernimmt eine Form, erprobt sie und entdeckt ihre Wirkung. Er bemerkt, wo sie trägt, wann sie zusätzliche Anstrengung erzeugt und wie sie sich unter veränderten Bedingungen weiterentwickeln kann.
Dieser Prozess verbindet Erfahrung und Reflexion. Wahrnehmung allein bleibt flüchtig, wenn sie keine sprachliche oder theoretische Einordnung erhält. Theorie bleibt abstrakt, solange sie keinen Bezug zum eigenen Erleben gewinnt.
Erfahrung statt Technik bezeichnet daher keine Abkehr von Methoden. Der Begriff beschreibt eine Reihenfolge. Techniken dienen der Erfahrung, und Erfahrung prüft die Technik an der gegenwärtigen Wirklichkeit.
Im Laufe der Entwicklung kann eine äußere Form immer stärker verkörpert werden. Der Mensch muss sie weniger bewusst herstellen. Er erkennt ihren funktionalen Zusammenhang und kann ihn in neuen Situationen wiederfinden.
Diese Verkörperung eröffnet Spontaneität. Handlungen entstehen aus Wahrnehmung, Struktur und Kontakt. Sie können einer bekannten Technik ähneln, ohne an deren sichtbare Form gebunden zu bleiben.
Auch Fehler und Irritationen erhalten dabei einen eigenen Wert. Sie zeigen, wo die übernommene Form und die gegenwärtige Situation auseinanderfallen. In dieser Differenz beginnt häufig die nächste Erfahrung.
Die Vertikale Praxis versteht Lernen somit als fortlaufende Begegnung zwischen Wissen und Wirklichkeit. Der Mensch erwirbt Methoden, lässt sich von ihrer Wirkung informieren und entwickelt daraus eine eigene, bewegliche Form des Handelns.
Hinweis zur Entstehung: Dieser Fachtext wurde mit Unterstützung generativer KI redaktionell ausgearbeitet. Inhaltliche Konzeption und fachliche Verantwortung liegen bei den Betreibern dieser Website. Texte, die auf besonderes Interesse stoßen, werden redaktionell weiterentwickelt.
Wichtige Internetseiten
„Erfahrung statt Technik“ ist ein Arbeitsbegriff der Vertikalen Praxis. Wissenschaftlich anschlussfähig ist er unter anderem an Ansätze des verkörperten, ökologischen und enaktiven Lernens. Diese betrachten Fertigkeiten als Entwicklungen, die im Zusammenspiel von Körper, Wahrnehmung, Handlung und Umgebung entstehen.
Fertigkeiten als Beziehung zwischen Mensch und Umgebung
Der theoretische Fachartikel beschreibt Fertigkeitslernen als Veränderung einer gesamten Aktivität. Fähigkeiten entstehen demnach in der fortlaufenden Abstimmung zwischen Organismus, Aufgabe und Umwelt. Frontiers in Psychology: Extended Skill Learning
Die genannten Forschungsansätze entsprechen keiner vollständigen Theorie der Vertikalen Praxis. Sie unterstützen jedoch die Beobachtung, dass Fertigkeiten durch praktische Auseinandersetzung mit wechselnden Bedingungen entstehen. Technik bietet dabei eine Orientierung; verkörpertes Können entwickelt sich im tatsächlichen Vollzug.
Fragen & Antworten
Was bedeutet „Erfahrung statt Technik“?
Der Begriff beschreibt eine Reihenfolge des Lernens. Eine Technik bietet zunächst eine Form oder Orientierung. Ihre tatsächliche Bedeutung erschließt sich durch die eigene körperliche Erfahrung, durch die Wirkung im Kontakt und durch die Anpassung an die jeweilige Situation.
Sind Techniken in der Vertikalen Praxis unwichtig?
Techniken können Aufmerksamkeit bündeln, einen Lernraum strukturieren und erste Erfahrungen ermöglichen. Mit zunehmender Übung werden sie beweglicher. Der Lernende erkennt ihre Funktion und kann die äußere Form an veränderte Bedingungen anpassen.
Woran erkennt man eine verkörperte Erfahrung?
Eine verkörperte Erfahrung steht auch unter veränderten Bedingungen zur Verfügung. Der Mensch orientiert sich an Druck, Richtung, Abstand und Wirkung. Seine Handlung entsteht aus einem größeren körperlichen und situativen Zusammenhang und benötigt weniger bewusste Kontrolle.
Warum reicht eine Erklärung für körperliches Lernen häufig nicht aus?
Eine Erklärung vermittelt Begriffe und Zusammenhänge. Im tatsächlichen Vollzug treten zusätzliche Informationen hinzu: Gleichgewicht, Muskelspannung, Timing, räumliche Orientierung und die Reaktion des Gegenübers. Erst diese Erfahrung verbindet das verstandene Prinzip mit dem eigenen Handeln.
Welche Bedeutung haben Wiederholung und Übung?
Wiederholung ermöglicht, Unterschiede genauer wahrzunehmen. Veränderte Geschwindigkeit, Richtung oder Intensität zeigen, unter welchen Bedingungen eine Bewegung oder Vorgehensweise trägt. So entsteht ein zunehmend anpassungsfähiges Können.
Wie unterscheiden sich Erfahrung und Gewohnheit?
Eine Gewohnheit wiederholt einen vertrauten Ablauf häufig mit geringer Aufmerksamkeit. Erfahrung erweitert die Wahrnehmung und macht neue Antworten möglich. Eine geübte Handlung kann beides enthalten: stabile Orientierung und Offenheit für die aktuelle Situation.
Welche Rolle spielen Fehler beim erfahrungsorientierten Lernen?
Fehler zeigen, an welcher Stelle die bisherige Organisation und die tatsächlichen Bedingungen auseinanderfallen. Sie machen sichtbar, wo mehr Wahrnehmung, eine andere Dosierung oder eine neue Bewegungsorganisation hilfreich sein könnte.
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Systemisches Coaching mit Britta Germek
Britta und ich sind verheiratet und Eltern eines tollen Jungen. Seit unserer Rückkehr ins Münsterland entwickeln wir systheco als gemeinsames, nebenberufliches Projekt. Während ich in meinem Büro sitze und neue Texte schreibe, höre ich sie nebenan telefonieren. Nicht laut, aber ausreichend, um die Direktheit ihrer Stimme wahrzunehmen.
Als wir noch in Köln lebten, arbeitete Britta bei den Ford-Werken. Dort begleitete sie Führungskräfte unterschiedlicher Bereiche in Veränderungsprozessen. Britta mag die Zusammenarbeit mit hemdsärmeligen Leuten. Sie bleibt beharrlich, bis die Dinge auf den Punkt kommen. Gleichzeitig hat sie Geduld, wenn Menschen Zeit brauchen, Beobachtungen anzunehmen.