Folgen

Björn Germek · Emsdetten

Entwickler der Vertikalen Praxis

Folgen wird leicht mit passiver Anpassung oder dem Hinterherlaufen hinter einer fremden Bewegung verwechselt. In der Vertikalen Praxis beschreibt es eine fortgesetzte Wahrnehmung des sich verändernden Kontakts.

Der eigene Körper bleibt mit Bewegung und Kraft des Gegenübers verbunden, ohne seine vertikale Orientierung, seine Grenzen und seine Möglichkeit zu eigener Wirksamkeit aufzugeben.

Im Chi Sao lässt sich untersuchen, wie Kontakt lebendig erhalten werden kann – ohne ihn festzuhalten, vorwegzunehmen oder erst wiederzufinden, nachdem er bereits verloren gegangen ist.


Moin, ich bin der Björn.

Bevor du weiterliest, möchte ich dir kurz etwas darüber erzählen, was ich mache und warum es diesen und weitere Texte gibt.

Die Texte sind Teil meiner freiberuflichen Arbeit. Ich veröffentliche sie, weil mich die Themen beschäftigen und weil ich gerne Wissen teile. Genauso wichtig ist mir der Kontakt zu den Menschen, die hier lesen. Deshalb verstehe ich diese Seite als ein Beziehungsangebot. Wenn dich etwas berührt, interessiert oder beschäftigt, freue ich mich über eine Nachricht von dir.


Inhaltsverzeichnis


Kurz erklärt

Folgen bedeutet innerhalb der Vertikalen Praxis, eine Bewegung oder Kraft im Kontakt weiter wahrzunehmen, während sie ihre Richtung verändert.

Der eigene Körper bleibt dabei verbunden und handlungsfähig. Er läuft dem Gegenüber weder mechanisch hinterher noch gibt er seine eigene Orientierung auf.

Wichtig:
Folgen ist keine Unterordnung. Es ist die Fähigkeit, in Beziehung zu bleiben, ohne die tatsächliche Bewegung durch Festhalten, Vorwegnehmen oder Rückzug zu verlieren.


Was bedeutet Folgen?

Im körperlichen Kontakt verändert sich eine Bewegung fortlaufend. Ein Arm dreht sich, Druck lässt nach, eine Richtung wechselt oder ein Kontaktpunkt wandert über den Körper.

Folgen bedeutet, diese Veränderung wahrnehmbar zu halten. Der eigene Körper bleibt mit der Bewegung verbunden, ohne sie an ihrem Ausgangspunkt festzuhalten.

Dabei geht es nicht darum, jede Bewegung des Gegenübers nachzuahmen. Folgen richtet sich nicht auf die sichtbare Form, sondern auf den Verlauf des Kontakts.

Wo bewegt sich die Kraft hin? Welche Verbindung bleibt bestehen? An welcher Stelle verändert sich die Beziehung zwischen beiden Körpern?

Folgen wird so zu einer Form fortgesetzter Wahrnehmung. Die Bewegung des Gegenübers verschwindet nicht aus dem Erleben, nur weil sie ihre Richtung oder Gestalt verändert.


Folgen ist kein Hinterherlaufen

Wer einer Bewegung hinterherläuft, reagiert häufig erst, nachdem sie bereits stattgefunden hat. Der Kontakt wird verloren und anschließend durch eine neue Bewegung wieder gesucht.

Dabei entsteht eine zeitliche Verzögerung. Das Gegenüber bewegt sich, der eigene Körper erkennt die Veränderung zu spät und versucht, den Abstand wieder zu schließen.

Funktionales Folgen beginnt früher. Es bleibt mit der entstehenden Veränderung verbunden, statt erst auf ihr Ergebnis zu reagieren.

Der Kontaktpunkt muss dabei nicht unverändert bleiben. Eine Hand kann sich lösen, ein Arm kann drehen oder eine neue Fläche kann die Verbindung übernehmen.

Entscheidend ist nicht, denselben Punkt festzuhalten. Entscheidend ist, dass die Beziehung zur Bewegung nicht abreißt.


Kontakt erhalten

Kontakt zu erhalten bedeutet nicht, mit gleichbleibendem Druck an einer Stelle zu haften. Ein solcher Versuch kann die Bewegung des Gegenübers begrenzen und die eigene Wahrnehmung verengen.

Lebendiger Kontakt verändert sich. Druck nimmt zu oder ab, Flächen verschieben sich und die Richtung der Verbindung wandert durch den Raum.

Folgen erlaubt diesen Veränderungen, stattzufinden. Der eigene Körper bleibt erreichbar, ohne den Kontaktpunkt festzuschreiben.

Wird der Druck geringer, muss nicht sofort nachgedrückt werden. Wird die Verbindung seitlich, muss sie nicht gewaltsam in die ursprüngliche Richtung zurückgeführt werden.

Kontakt bleibt erhalten, indem seine Veränderung mitvollzogen wird. Er wird nicht konserviert, sondern immer wieder neu gefunden.


Björn Germek in der Vertikalen Praxis

Vertikale Praxis – Erfahrungssettings

Diese Seite vertieft ein einzelnes Phänomen der Vertikalen Praxis. Sie gehört zu einem größeren Wissensbereich, der körperliche, relationale und entwicklungsbezogene Erfahrungen aus unterschiedlichen Perspektiven beschreibt.

Zwei Hauptseiten führen von diesem Wissen in konkrete Erfahrungsräume: Chi Sao und Vertikale Selbsterforschung. Auf beiden Seiten wird das jeweilige Erfahrungssetting ausführlich vorgestellt.


Chi Sao stammt ursprünglich aus der südchinesischen Kampfkunst Wing Chun. Die Partnerübung schult die Wahrnehmung von Berührung, Druck, Richtung und Veränderung im unmittelbaren Kontakt. Ich habe sie aus ihrem kämpferischen Zusammenhang heraus weiterentwickelt und an die Grundhaltung der Vertikalen Praxis angepasst.


Vertikale Selbsterforschung ist ein Erfahrungssetting für phänomenologisch orientierte Selbsterforschung. Im Mittelpunkt steht die unmittelbare Wahrnehmung des eigenen Körpers und seiner fortlaufenden Beziehung zur gegenwärtigen Situation. Propriozeption, innere Empfindungen und Resonanz werden dabei zu Zugängen für die gemeinsame Erforschung des eigenen Erlebens.


Der Bewegung folgen

Einer Bewegung zu folgen bedeutet, ihre Richtung und Geschwindigkeit nicht aus einer vorbereiteten Vorstellung heraus festzulegen.

Der eigene Körper nimmt wahr, wohin sich der Kontakt tatsächlich entwickelt. Eine Drehung wird als Drehung beantwortet, eine Entlastung als Entlastung und ein Richtungswechsel als neue räumliche Beziehung.

Dabei muss die eigene Bewegung nicht identisch mit der des Gegenübers sein. Folgen ist keine Spiegelung.

Eine Hand kann einer Drehung folgen, während der übrige Körper seine vertikale Orientierung erhält. Ein Schritt kann eine wachsende Distanz begleiten, ohne dass die eigene Struktur nach vorne gezogen wird.

Der Körper bleibt in Beziehung, entwickelt aber weiterhin seine eigene Form der Antwort.


Der Kraft folgen

Nicht nur sichtbare Bewegung kann verfolgt werden. Auch der Verlauf einer Kraft lässt sich durch den Kontakt wahrnehmen.

Druck baut sich auf, verlagert sich oder verliert seine Verbindung. Wird dieser Verlauf früh genug bemerkt, muss der Körper nicht an einer früheren Richtung festhalten.

Der Kraft zu folgen bedeutet nicht, sich von ihr vollständig bewegen zu lassen. Vielmehr wird wahrgenommen, wohin sie gegenwärtig führt und welche körperliche Antwort dazu passt.

Eine seitlich wandernde Kraft kann durch eine Drehung begleitet werden. Eine nachlassende Kraft kann Raum für Vorstoßen öffnen. Eine plötzlich verschwindende Unterstützung verlangt, dass der eigene Körper sich nicht weiter auf sie stützt.

Folgen verbindet damit Wahrnehmung und Anpassung. Die Kraft wird nicht nur ertragen, sondern in ihrem Verlauf gelesen.


Die eigene Orientierung beim Folgen

Folgen kann leicht dazu führen, dass die Aufmerksamkeit vollständig beim Gegenüber liegt. Der eigene Körper versucht dann, jede Bewegung zu begleiten und verliert dabei seine vertikale Organisation.

Funktionales Folgen benötigt jedoch einen eigenen Bezugspunkt. Bodenkontakt, Gewicht, Struktur und Bewegungsraum bleiben wahrnehmbar, während die äußere Veränderung verfolgt wird.

Diese doppelte Orientierung ist entscheidend. Ohne Wahrnehmung des Gegenübers wird Folgen unmöglich. Ohne Wahrnehmung des eigenen Körpers wird es zur bloßen Anpassung.

Der Körper bleibt deshalb gleichzeitig innen und außen orientiert. Er folgt der Beziehung, ohne sich vollständig von ihr bestimmen zu lassen.

Gerade diese Gleichzeitigkeit macht Folgen zu einer Form von Durchlässigkeit.


Wenn Folgen zur bloßen Anpassung wird

Wird jede Bewegung des Gegenübers sofort übernommen, kann Folgen seine eigene Qualität verlieren. Der Körper passt sich dann an, ohne noch eine eigene Richtung oder Begrenzung zu besitzen.

Äußerlich bleibt der Kontakt vielleicht weich und fließend. Innerlich wird die Bewegung jedoch vollständig vom Gegenüber organisiert.

Ein solches Folgen vermeidet Widerstand, gibt aber zugleich die Möglichkeit auf, selbst wirksam zu werden.

Funktionales Folgen enthält deshalb immer auch die Möglichkeit, nicht weiter zu folgen. Eine Grenze kann entstehen, eine eigene Richtung kann sich entwickeln oder der Kontakt kann bewusst unterbrochen werden.

Folgen ist nur dann beweglich, wenn es nicht zur Pflicht wird.


Folgen und Führen

Folgen und Führen erscheinen zunächst als gegensätzliche Rollen. Eine Person gibt die Richtung vor, die andere passt sich an.

Im lebendigen Kontakt wechseln diese Funktionen jedoch fortlaufend. Wer einer Bewegung genau folgt, kann ihren Verlauf beeinflussen. Wer führt, muss zugleich wahrnehmen, wie das Gegenüber antwortet.

Eine kleine Veränderung des Kontakts kann aus dem Folgen heraus eine neue Richtung eröffnen. Ebenso kann eine führende Bewegung nur dann verbunden bleiben, wenn sie die tatsächliche Reaktion des anderen aufnimmt.

Folgen und Führen sind deshalb keine festen Positionen. Sie entstehen innerhalb einer gemeinsamen Bewegung und können sich von Moment zu Moment ablösen.

Die Beziehung wird dadurch weniger hierarchisch und stärker wechselseitig.


Folgen im Chi Sao

Im Chi Sao verändern sich Kontaktpunkte, Druckrichtungen und Bewegungsräume ohne Unterbrechung. Folgen hält diese Veränderungen wahrnehmbar.

Der Übungspartner zeigt unmittelbar, ob der eigene Körper an einem früheren Kontakt festhält. Wird eine Bewegung weiter begleitet, obwohl sie bereits ihre Richtung gewechselt hat, entsteht schnell Leere, Spannung oder Verlust des Gleichgewichts.

Ebenso wird sichtbar, ob Folgen zu reinem Hinterherlaufen wird. Wer nur reagiert, bleibt zeitlich hinter dem Kontakt zurück und versucht fortlaufend, eine bereits vergangene Situation wiederherzustellen.

Im Chi Sao entwickelt sich Folgen deshalb aus möglichst unmittelbarer Wahrnehmung. Bewegung und Antwort rücken zeitlich näher zusammen.

Der Kontakt wird nicht festgehalten. Er bleibt lebendig, weil seine Veränderung nicht verloren geht.


Wie sich Folgen entwickeln kann

Folgen entwickelt sich nicht dadurch, dass Bewegungsabläufe möglichst schnell kopiert werden. Entscheidend ist die Fähigkeit, kleine Veränderungen im Kontakt frühzeitig wahrzunehmen.

Langsame Bewegungen und leichter Druck können dabei helfen. Sie machen sichtbar, wann der eigene Körper vorwegnimmt, an einer Richtung festhält oder den Kontakt erst nachträglich wieder sucht.

Ebenso lässt sich beobachten, ob die eigene Struktur während des Folgens verfügbar bleibt. Wird das Gewicht nachgezogen? Stützt sich der Körper auf den Kontakt? Verschwindet die eigene Bewegungsrichtung?

Mit zunehmender Erfahrung kann Folgen unmittelbarer werden, ohne reflexhaft zu sein. Der Körper bleibt mit der Veränderung verbunden und behält dennoch die Möglichkeit, zu begrenzen, vorstoßend zu antworten oder eine andere Richtung einzubringen.

Innerhalb der Vertikalen Praxis wird Folgen so zu einer Form verkörperter Beziehungskompetenz: aufmerksam bei der Bewegung des anderen zu bleiben, ohne die eigene Orientierung zu verlassen.


Hinweis zur Entstehung: Dieser Fachtext wurde mit Unterstützung generativer KI redaktionell ausgearbeitet. Inhaltliche Konzeption und fachliche Verantwortung liegen bei den Betreibern dieser Website. Texte, die auf besonderes Interesse stoßen, werden redaktionell weiterentwickelt.

Wichtige Internetseiten

Folgen ist ein Begriff der Vertikalen Praxis und wird in dieser Form nicht als eigenständiges wissenschaftliches Konzept untersucht. Verwandte Forschungsfelder beschäftigen sich jedoch mit zwischenmenschlicher Koordination, gemeinsamer Bewegungssteuerung, haptischer Kommunikation und dem Wechselspiel zwischen eigener Orientierung und Anpassung an andere.

Die wissenschaftlichen Quellen beschreiben zwischenmenschliche Koordination, haptisch vermittelte Bewegungsrichtungen und die Unterscheidung zwischen eigener und fremder Handlung. Innerhalb der Vertikalen Praxis bezeichnet Folgen darüber hinaus die unmittelbar erfahrbare Fähigkeit, mit einer sich verändernden Bewegung verbunden zu bleiben, ohne die eigene Orientierung und Handlungsfähigkeit aufzugeben.


Fragen & Antworten

Was bedeutet Folgen in der Vertikalen Praxis?
Folgen bedeutet, mit einer sich verändernden Bewegung oder Kraft im Kontakt verbunden zu bleiben. Der eigene Körper nimmt ihren Verlauf wahr, ohne seine eigene Orientierung vollständig aufzugeben.
Ist Folgen dasselbe wie Hinterherlaufen?
Nein. Beim Hinterherlaufen wird eine Veränderung erst bemerkt, nachdem der Kontakt bereits verloren gegangen ist. Funktionales Folgen bleibt möglichst unmittelbar mit ihrer Entstehung verbunden.
Muss derselbe Kontaktpunkt erhalten bleiben?
Nein. Kontaktflächen können sich verschieben, ablösen oder von anderen Bereichen übernommen werden. Entscheidend ist nicht das Festhalten eines Punktes, sondern die fortgesetzte Wahrnehmung der Beziehung.
Bedeutet Folgen, jede Bewegung des Gegenübers mitzumachen?
Nein. Folgen ist keine mechanische Nachahmung. Der eigene Körper entwickelt eine passende Antwort und behält die Möglichkeit, zu begrenzen, eine andere Richtung einzubringen oder den Kontakt zu beenden.
Wie bleibt beim Folgen die eigene Orientierung erhalten?
Bodenkontakt, Gewicht, Struktur und eigener Bewegungsraum bleiben gleichzeitig mit der äußeren Bewegung wahrnehmbar. Diese doppelte Orientierung verhindert, dass der Körper vollständig vom Gegenüber organisiert wird.
Wie hängen Folgen und Führen zusammen?
Beide Funktionen können sich im Kontakt fortlaufend abwechseln. Genaues Folgen kann eine neue Richtung eröffnen, während Führen nur verbunden bleibt, wenn die Antwort des Gegenübers weiterhin wahrgenommen wird.
Wie wird Folgen im Chi Sao erfahrbar?
Wechselnde Druckrichtungen und Kontaktflächen zeigen unmittelbar, ob der eigene Körper an einer vergangenen Situation festhält, der Bewegung hinterherläuft oder mit ihrer tatsächlichen Veränderung verbunden bleibt.

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Porträt von Britta Germek

Systemisches Coaching mit Britta Germek

Britta und ich sind verheiratet und Eltern eines tollen Jungen. Seit unserer Rückkehr ins Münsterland entwickeln wir systheco als gemeinsames, nebenberufliches Projekt. Während ich in meinem Büro sitze und neue Texte schreibe, höre ich sie nebenan telefonieren. Nicht laut, aber ausreichend, um die Direktheit ihrer Stimme wahrzunehmen.

Als wir noch in Köln lebten, arbeitete Britta bei den Ford-Werken. Dort begleitete sie Führungskräfte unterschiedlicher Bereiche in Veränderungsprozessen. Britta mag die Zusammenarbeit mit hemdsärmeligen Leuten. Sie bleibt beharrlich, bis die Dinge auf den Punkt kommen. Gleichzeitig hat sie Geduld, wenn Menschen Zeit brauchen, Beobachtungen anzunehmen.



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