Parasympathikus

Björn Germek · Emsdetten

Entwickler der Vertikalen Praxis

Nach einer belastenden Situation verändert sich der Körper häufig allmählich. Der Atem gewinnt an Raum, der Blick wird beweglicher und zuvor überhörte Empfindungen treten wieder hervor. Der Organismus beginnt, seine hohe Bereitschaft zur Reaktion zu lösen.

Der Parasympathikus wirkt an solchen Regulationsprozessen mit. Seine Bedeutung reicht über die körperliche Erholung hinaus: Auch Wahrnehmung, Lernen und die Fähigkeit zu gegenwärtigem Kontakt hängen mit dem vegetativen Zustand zusammen.

Die Vertikale Praxis richtet den Blick auf diese körperliche Beweglichkeit. Aktivierung stellt Energie für Begegnung und Handlung bereit. Parasympathische Regulation eröffnet anschließend wieder Raum für Aufnahme, Verarbeitung und neue Erfahrung.


Moin, ich bin der Björn.

Bevor du weiterliest, möchte ich dir kurz etwas darüber erzählen, was ich mache und warum es diesen und weitere Texte gibt.

Die Texte sind Teil meiner freiberuflichen Arbeit. Ich veröffentliche sie, weil mich die Themen beschäftigen und weil ich gerne Wissen teile. Genauso wichtig ist mir der Kontakt zu den Menschen, die hier lesen. Deshalb verstehe ich diese Seite als ein Beziehungsangebot. Wenn dich etwas berührt, interessiert oder beschäftigt, freue ich mich über eine Nachricht von dir.


Inhaltsverzeichnis


Kurz erklärt

Der Parasympathikus ist ein Teil des autonomen Nervensystems. Er ist an körperlichen Vorgängen beteiligt, die Erholung, Verdauung, Regeneration und eine Verringerung hoher Aktivierung ermöglichen.

Innerhalb der Vertikalen Praxis ist der Parasympathikus vor allem deshalb bedeutsam, weil Wahrnehmung, Lernen und Kontaktfähigkeit von der vegetativen Regulation mitgeprägt werden. Ein Körper, der fortlaufend auf Gefahr eingestellt ist, nimmt anders wahr als ein Körper, der genügend Sicherheit erlebt.

Regulation statt Beruhigung um jeden Preis
Ziel ist kein dauerhaft ruhiger Zustand. Entwicklung braucht Beweglichkeit: Aktivierung darf entstehen, und der Organismus sollte zugleich Möglichkeiten behalten, wieder in eine tragfähige Regulation zurückzufinden.


Wenn der Körper wieder Raum bekommt

Nach einer angespannten Situation verändert sich der Körper manchmal fast unmerklich. Der Atem wird tiefer, die Schultern sinken etwas und der Blick beginnt wieder, mehr von der Umgebung aufzunehmen. Geräusche, Bewegungen und körperliche Empfindungen, die zuvor kaum wahrnehmbar waren, treten erneut hervor.

Ein solcher Übergang kann erlebt werden, wenn ein schwieriges Gespräch endet, eine unklare Situation verständlicher wird oder ein Mensch bemerkt, dass er gerade nicht handeln muss. Der Organismus beginnt, aus einer hohen Bereitschaft zur Reaktion in eine andere Form der Regulation zurückzufinden.

Dabei entsteht nicht immer sofort Wohlbefinden. Manchmal zeigt sich zunächst Müdigkeit. Die Hände werden wärmer, der Bauch beginnt zu arbeiten oder ein Zittern wird spürbar, das während der Anspannung zurückgehalten war. Der Körper nimmt Prozesse wieder auf, für die unter hoher Aktivierung wenig Raum vorhanden war.

Innerhalb der Vertikalen Praxis sind solche Veränderungen bedeutsam, weil Kontakt immer auch vegetativ organisiert ist. Wahrnehmung geschieht nicht unabhängig vom Zustand des Körpers. Was ein Mensch hören, spüren und aufnehmen kann, verändert sich mit seiner körperlichen Bereitschaft zu Schutz, Handlung oder Erholung.

Der Parasympathikus beschreibt dabei keine einzelne Empfindung und keinen Zustand, der willentlich eingeschaltet werden könnte. Er gehört zu einem komplexen Regulationsgeschehen. Beobachtbar wird dieses Geschehen vor allem an seinen Wirkungen: am Atem, an der Beweglichkeit, an der Stimme und an der wachsenden Fähigkeit, wieder mehr von der Situation wahrzunehmen.


Vegetative Regulation im Kontakt

Das autonome Nervensystem reguliert zahlreiche körperliche Vorgänge, ohne dass dafür bewusste Entscheidungen notwendig sind. Herzschlag, Atmung, Verdauung, Gefäßweite und viele weitere Prozesse verändern sich fortlaufend in Beziehung zur inneren und äußeren Situation.

Diese Regulation geschieht auch im zwischenmenschlichen Kontakt. Ein bestimmter Tonfall kann den Körper anspannen. Eine vertraute Stimme kann Orientierung geben. Nähe kann beruhigend wirken oder gerade zusätzliche Alarmbereitschaft auslösen. Der Organismus reagiert dabei auf weit mehr als auf den Inhalt gesprochener Worte.

Der Parasympathikus wird häufig vereinfacht als Gegenspieler des aktivierenden Sympathikus beschrieben. Für die praktische Beobachtung ist jedoch weniger eine starre Gegenüberstellung hilfreich als die Frage, wie beweglich ein Mensch zwischen unterschiedlichen Zuständen wechseln kann.

Aktivierung gehört zu lebendigem Kontakt. Wer aufsteht, spricht, widerspricht oder sich schützt, benötigt dafür körperliche Energie. Problematisch wird Aktivierung vor allem dann, wenn sie dauerhaft hoch bleibt, sich nicht mehr an die Situation anpasst oder jede Wahrnehmung auf mögliche Gefahr verengt.

Regulation zeigt sich daher nicht in möglichst geringer Erregung. Sie zeigt sich in Anpassungsfähigkeit. Der Körper kann sich für eine Handlung sammeln, auf Belastung reagieren und anschließend wieder genügend Spannung abgeben, um Neues aufnehmen zu können.


Ruhe ist nicht gleich Kontakt

Ein äußerlich ruhiger Mensch befindet sich nicht zwangsläufig in einem gut regulierten Zustand. Ruhe kann aus Sicherheit entstehen. Sie kann ebenso Ausdruck von Erschöpfung, Rückzug oder Erstarrung sein. Die äußere Form allein erlaubt daher keine zuverlässige Aussage über die innere Kontaktqualität.

Manche Menschen werden unter Druck still. Ihre Bewegungen nehmen ab, die Stimme wird leiser und der Gesichtsausdruck wirkt unbewegt. Von außen kann dies gesammelt erscheinen. Im eigenen Erleben besteht jedoch möglicherweise kaum Zugang zu Empfindungen, Bedürfnissen oder Handlungsmöglichkeiten.

Auch bewusstes Entspannen kann den Kontakt vermindern, wenn körperliche Spannung vorschnell beseitigt werden soll. Eine Anspannung enthält möglicherweise Informationen darüber, dass eine Grenze berührt, eine Unsicherheit entstanden oder eine Handlung vorbereitet wird. Wird sie ausschließlich als störend behandelt, geht ein Teil dieser Information verloren.

Die Vertikale Praxis interessiert sich deshalb weniger dafür, ob ein Körper ruhig oder angespannt erscheint. Entscheidend ist, ob der Mensch wahrnehmungsfähig bleibt und auf Veränderungen reagieren kann. Eine leichte Spannung kann sehr lebendig sein. Eine scheinbare Entspannung kann dagegen mit deutlicher Abwesenheit einhergehen.

Parasympathische Regulation wird in diesem Zusammenhang nicht als Sedierung verstanden. Sie unterstützt eine körperliche Organisation, in der Erholung und Offenheit möglich werden. Kontakt bleibt dabei beweglich und kann erneut Aktivierung aufnehmen, sobald die Situation dies erfordert.


Parasympathikus und Wahrnehmung

Unter hoher Belastung wird Wahrnehmung häufig enger. Aufmerksamkeit richtet sich auf das, was unmittelbar relevant oder bedrohlich erscheint. Feinere Unterschiede treten zurück. Der Körper bereitet sich darauf vor, schnell und eindeutig zu reagieren.

Wenn die Aktivierung nachlässt, kann sich das Wahrnehmungsfeld wieder erweitern. Ein Mensch bemerkt dann vielleicht erst, wie angespannt seine Hände waren oder dass das Gegenüber längst vorsichtiger spricht. Auch innere Empfindungen werden wieder deutlicher.

Diese Erweiterung betrifft den Körper ebenso wie die Beziehung. Nuancen in Stimme, Blick und Bewegung werden leichter zugänglich. Widersprüchliche Informationen können nebeneinander bestehen, ohne dass sofort eine eindeutige Entscheidung getroffen werden muss.

In körperlichem Kontakt zeigt sich dies etwa darin, dass Druck nicht nur als Gesamtbelastung erlebt wird. Seine Richtung, Geschwindigkeit und Veränderung werden unterscheidbar. Dadurch entsteht mehr als eine automatische Gegenbewegung. Der Organismus kann beginnen, sich an der tatsächlichen Einwirkung zu orientieren.

Parasympathische Mitwirkung schafft keine objektive oder fehlerfreie Wahrnehmung. Sie kann jedoch Bedingungen unterstützen, unter denen mehr Informationen verarbeitet werden können. Für die Vertikale Praxis ist diese Erweiterung zentral, weil Kontakt von der Fähigkeit lebt, gegenwärtige Unterschiede überhaupt bemerken zu können.


Lernen braucht Regulation

Neues Lernen verlangt eine gewisse Offenheit gegenüber Unsicherheit. Wer bereits genau weiß, wie eine Bewegung, ein Gespräch oder eine Situation verlaufen muss, nimmt vor allem Bestätigungen für das Bekannte wahr. Lernen beginnt dort, wo Abweichungen zugelassen werden können.

Unter hoher Alarmbereitschaft wird diese Offenheit kleiner. Der Organismus greift stärker auf vertraute Reaktionen zurück. Schnelligkeit und Eindeutigkeit werden wichtiger als differenzierte Wahrnehmung. Dieses Vorgehen kann in akuten Gefahren sinnvoll sein, begrenzt jedoch die Entstehung neuer Handlungsmöglichkeiten.

Parasympathische Regulation kann dazu beitragen, dass eine Erfahrung länger ausgehalten und genauer untersucht wird. Ein Fehler muss dann nicht sofort korrigiert werden. Eine ungewohnte Empfindung kann einen Moment bestehen bleiben, ohne unmittelbar eingeordnet oder beseitigt zu werden.

Lernen geschieht dabei nicht nur im Denken. Der Körper erprobt neue Spannungsverteilungen, Bewegungswege und Formen des Kontaktes. Was zunächst fremd oder unsicher wirkt, kann durch wiederholte Erfahrung allmählich zu einer verfügbaren Möglichkeit werden.

Regulation schützt diesen Prozess vor Überforderung. Sie garantiert keinen Lernerfolg und lässt sich nicht beliebig herstellen. Sie schafft jedoch einen körperlichen Rahmen, in dem Unterschiede wahrgenommen, gespeichert und später erneut aufgegriffen werden können.


Björn Germek in der Vertikalen Praxis

Vertikale Praxis – Erfahrungssettings

Diese Seite vertieft ein einzelnes Phänomen der Vertikalen Praxis. Sie gehört zu einem größeren Wissensbereich, der körperliche, relationale und entwicklungsbezogene Erfahrungen aus unterschiedlichen Perspektiven beschreibt.

Zwei Hauptseiten führen von diesem Wissen in konkrete Erfahrungsräume: Chi Sao und Vertikale Selbsterforschung. Auf beiden Seiten wird das jeweilige Erfahrungssetting ausführlich vorgestellt.


Chi Sao stammt ursprünglich aus der südchinesischen Kampfkunst Wing Chun. Die Partnerübung schult die Wahrnehmung von Berührung, Druck, Richtung und Veränderung im unmittelbaren Kontakt. Ich habe sie aus ihrem kämpferischen Zusammenhang heraus weiterentwickelt und an die Grundhaltung der Vertikalen Praxis angepasst.


Vertikale Selbsterforschung ist ein Erfahrungssetting für phänomenologisch orientierte Selbsterforschung. Im Mittelpunkt steht die unmittelbare Wahrnehmung des eigenen Körpers und seiner fortlaufenden Beziehung zur gegenwärtigen Situation. Propriozeption, innere Empfindungen und Resonanz werden dabei zu Zugängen für die gemeinsame Erforschung des eigenen Erlebens.


Sicherheit als körperliche Erfahrung

Sicherheit ist mehr als die gedankliche Einschätzung, dass eine Situation ungefährlich sein müsste. Ein Mensch kann wissen, dass ihm nichts geschieht, während sein Körper weiterhin auf Bedrohung eingestellt bleibt. Umgekehrt kann ein vertrauter körperlicher Kontakt Sicherheit vermitteln, bevor dafür Worte gefunden werden.

Diese Differenz wird besonders dort sichtbar, wo frühere Erfahrungen nachwirken. Eine sachliche Rückfrage kann körperlich wie ein Angriff erlebt werden. Nähe kann Alarm auslösen, obwohl das Gegenüber achtsam handelt. Der gegenwärtige Kontext und die vegetative Reaktion stimmen dann nur teilweise überein.

Sicherheit entsteht deshalb nicht allein durch Erklärung. Sie entwickelt sich über Erfahrungen, in denen Kontakt erhalten bleibt und der Organismus Gelegenheit bekommt, die gegenwärtige Situation neu einzuordnen. Dazu gehören verlässliche Grenzen, ein nachvollziehbarer Rahmen und die Möglichkeit, Einfluss auf Nähe, Tempo und Intensität zu nehmen.

Eine solche Erfahrung kann sehr klein sein. Jemand bemerkt, dass er eine Pause verlangen kann und die Beziehung dennoch bestehen bleibt. Eine Berührung wird verändert, sobald sie zu viel wird. Ein Begleiter akzeptiert ein Zögern, ohne es als Widerstand zu behandeln.

Parasympathische Regulation ist in diesen Momenten kein Beweis für Sicherheit. Sie gehört jedoch zu den körperlichen Prozessen, durch die sich Sicherheit verkörpern kann. Der Organismus muss sich dann nicht ausschließlich auf Schutz vorbereiten und gewinnt Spielraum für Wahrnehmung und Beziehung.


Zwischen Aktivierung und Erstarrung

Belastung führt nicht immer zu sichtbarer Unruhe. Manche Menschen werden schneller und lauter, andere langsamer und stiller. Beide Reaktionen können mit einer eingeschränkten Kontaktfähigkeit verbunden sein. Die eine Form bindet den Organismus an fortlaufende Aktivität, die andere vermindert Bewegung und Beteiligung.

Erstarrung wird leicht mit Entspannung verwechselt, weil äußere Aktivität abnimmt. Im Erleben kann sie jedoch von großer innerer Spannung begleitet sein. Der Körper hält sich zurück, ohne tatsächlich zur Ruhe zu kommen. Handlungsmöglichkeiten sind dann kaum zugänglich.

Auch parasympathische Prozesse sind nicht ausschließlich mit angenehmer Ruhe verbunden. Das autonome Nervensystem reguliert komplexer als ein einfaches Wechselspiel zwischen Anspannung und Entspannung. Deshalb sollte aus einzelnen körperlichen Zeichen keine vorschnelle Deutung abgeleitet werden.

Für die Vertikale Praxis bleibt die beobachtbare Kontaktqualität entscheidend. Kann der Mensch wahrnehmen, was geschieht? Bleibt ein Bezug zum eigenen Körper bestehen? Ist eine Anpassung möglich, wenn sich die Situation verändert?

Regulation zeigt sich oft in kleinen Übergängen. Ein erstarrter Körper beginnt wieder Gewicht zu verlagern. Ein hektischer Bewegungsablauf wird langsamer, ohne zusammenzufallen. Zwischen hoher Aktivierung und Rückzug entsteht ein Bereich, in dem Handlung wieder aus Wahrnehmung hervorgehen kann.


Regulation im gemeinsamen Feld

Menschen regulieren sich nicht ausschließlich allein. Körperhaltung, Stimme, Abstand und Bewegungsrhythmus beeinflussen die vegetative Organisation aller Beteiligten. Eine Begegnung kann Aktivierung verstärken oder dazu beitragen, dass wieder mehr Sicherheit entsteht.

Ein ruhiger Tonfall wirkt dabei nicht automatisch beruhigend. Wird er als kontrollierend, künstlich oder unangemessen erlebt, kann die Anspannung sogar zunehmen. Entscheidend ist die Stimmigkeit des gesamten Kontaktes: Passt die Stimme zur Situation? Wird die Reaktion des anderen wahrgenommen? Kann sich der Austausch verändern?

Co-Regulation entsteht deshalb weniger durch eine bestimmte Technik als durch eine bewegliche Beziehung. Ein Mensch bleibt präsent, ohne den anderen zu drängen. Er nimmt Veränderungen auf und passt sein eigenes Verhalten an. Nähe und Abstand werden gemeinsam organisiert.

Im körperlichen Kontakt wird dieses Feld unmittelbar erfahrbar. Eine minimale Veränderung der eigenen Spannung kann dazu führen, dass auch das Gegenüber beweglicher wird. Umgekehrt kann ein kaum bemerkter zusätzlicher Druck eine ganze Kette von Gegenreaktionen auslösen.

Regulation bleibt dabei wechselseitig. Der vermeintlich ruhigere Mensch steht nicht außerhalb des Geschehens. Auch sein Atem, seine Erwartungen und sein Wunsch nach einem bestimmten Verlauf wirken auf die Beziehung ein. Das gemeinsame Feld verändert sich mit jeder Antwort beider Seiten.


Der Begleiter reguliert sich selbst

In Begleitungssituationen entsteht leicht der Wunsch, den anderen zu beruhigen. Dieser Wunsch kann aus Fürsorge hervorgehen. Er kann zugleich Ausdruck der eigenen Schwierigkeit sein, Unruhe, Angst oder Ungewissheit im gemeinsamen Raum auszuhalten.

Der Begleiter beginnt dann möglicherweise schneller zu sprechen, Zusammenhänge zu erklären oder Lösungen anzubieten. Nach außen wirkt dies unterstützend. Tatsächlich kann es die Aktivierung erhöhen, weil der andere weniger Zeit erhält, das eigene Erleben wahrzunehmen.

Die erste Aufgabe liegt deshalb häufig in der Selbstbeobachtung. Wie verändert sich der eigene Atem? Entsteht ein Impuls, etwas herstellen zu müssen? Wird die Stille unangenehm? Verengt sich die Aufmerksamkeit auf das Ziel, dass der andere möglichst bald ruhiger werden soll?

Selbstregulation bedeutet in diesem Zusammenhang nicht, jede eigene Reaktion zu kontrollieren. Sie beschreibt die Möglichkeit, die eigene Beteiligung wahrzunehmen und dadurch wieder mehr Wahlfreiheit zu gewinnen. Vielleicht wird die Stimme langsamer. Vielleicht ist eine Nachfrage sinnvoller als eine Erklärung.

Der Begleiter stellt seine eigene Kontaktfähigkeit dem gemeinsamen Prozess zur Verfügung. Er kann Regulation nicht für den anderen übernehmen. Er kann jedoch Bedingungen mitgestalten, unter denen der andere den eigenen Körper wieder wahrnehmen und eigene Handlungsmöglichkeiten entwickeln kann.


Bedeutung für die Vertikale Praxis

Die Vertikale Praxis versteht Kontakt als verkörpertes Geschehen. Gedanken, Gefühle und Beziehungen entstehen nicht unabhängig von vegetativer Regulation. Der Zustand des autonomen Nervensystems beeinflusst, wie weit Wahrnehmung reicht und welche Antworten verfügbar erscheinen.

Der Parasympathikus ist deshalb kein Nebenthema körperlicher Entspannung. Er gehört zu den Bedingungen, unter denen ein Organismus Belastung verarbeiten, neue Erfahrungen aufnehmen und nach Aktivierung wieder in eine tragfähige Organisation zurückfinden kann.

Daraus entsteht keine Forderung, möglichst parasympathisch oder dauerhaft entspannt zu sein. Auch Aktivierung, Spannung und entschlossene Bewegung gehören zum Kontakt. Entwicklung braucht die Fähigkeit, zwischen verschiedenen Zuständen zu wechseln, ohne in einem von ihnen festzustecken.

Vertikale Durchlässigkeit setzt eine solche Beweglichkeit voraus. Der eigene Körper bleibt auch unter äußerer Anforderung wahrnehmbar. Einwirkende Kräfte können aufgenommen werden, ohne dass jede Belastung sofort zu Gegenwehr, Rückzug oder innerer Abwesenheit führt.

Parasympathische Regulation kann diesen Spielraum unterstützen. Sie ermöglicht Momente, in denen der Organismus weniger Energie für unmittelbaren Schutz benötigt. Dadurch werden feinere Informationen zugänglich und vertraute Reaktionen können für einen Augenblick unterbrochen werden.

Entwicklung entsteht jedoch nicht aus einem einzelnen physiologischen Zustand. Sie geschieht im wiederholten Wechsel zwischen Aktivierung, Wahrnehmung, Handlung und Erholung. Der Körper lernt, dass Belastung auftreten darf und dennoch eine Rückkehr möglich bleibt.

Innerhalb der Vertikalen Praxis wird Sicherheit daher weder als vollständige Abwesenheit von Druck noch als dauerhaftes Wohlgefühl verstanden. Sicherheit zeigt sich in der wachsenden Erfahrung, unter wechselnden Bedingungen den Kontakt nicht vollständig verlieren zu müssen.

Der Parasympathikus bezeichnet dabei eine wissenschaftlich beschreibbare Dimension des autonomen Nervensystems. Die weiterführende Verbindung zu Kontakt, Durchlässigkeit und Entwicklung ist eine Arbeitsperspektive der Vertikalen Praxis. Sie dient dazu, körperliche Regulation im gemeinsamen Erleben genauer beobachtbar zu machen.


Hinweis zur Entstehung: Dieser Fachtext wurde mit Unterstützung generativer KI redaktionell ausgearbeitet. Inhaltliche Konzeption und fachliche Verantwortung liegen bei den Betreibern dieser Website. Texte, die auf besonderes Interesse stoßen, werden redaktionell weiterentwickelt.

Wichtige Internetseiten

Der Parasympathikus ist ein wissenschaftlich beschriebener Teil des autonomen Nervensystems. Die Vertikale Praxis verbindet diese physiologische Grundlage mit Beobachtungen zu Wahrnehmung, Kontakt und Entwicklung. Diese weiterführende Einordnung bildet eine eigene Arbeitsperspektive.

Aussagen über den Parasympathikus werden in populären Darstellungen häufig stark vereinfacht. Besonders die Polyvagal-Theorie wird in körperorientierten und psychotherapeutischen Zusammenhängen intensiv genutzt und zugleich wissenschaftlich kontrovers diskutiert. Die Vertikale Praxis behandelt ihre Modelle daher als mögliche Deutungshilfen und bleibt bei der konkreten Beobachtung des jeweiligen Menschen.


Fragen & Antworten

Was ist der Parasympathikus?
Der Parasympathikus ist ein Teil des autonomen Nervensystems. Er wirkt unter anderem an der Regulation von Herzschlag, Atmung, Verdauung und regenerativen Körpervorgängen mit. Seine Aktivität verändert sich fortlaufend gemeinsam mit sympathischen und weiteren körperlichen Regulationsprozessen.
Ist der Parasympathikus für Entspannung zuständig?
Parasympathische Aktivität unterstützt viele Vorgänge, die mit Erholung und Regeneration verbunden sind. Die tatsächliche Regulation ist komplexer als eine einfache Aufteilung in Anspannung und Entspannung. Verschiedene Anteile des autonomen Nervensystems können gleichzeitig aktiv sein und je nach Organ unterschiedliche Wirkungen entfalten.
Warum ist der Parasympathikus für die Vertikale Praxis bedeutsam?
Die vegetative Regulation prägt mit, wie weit sich die Wahrnehmung öffnet und welche Handlungsmöglichkeiten in einer Situation zugänglich sind. Parasympathische Prozesse können Bedingungen unterstützen, unter denen Erholung, differenzierte Körperwahrnehmung und die Aufnahme neuer Erfahrungen leichter möglich werden.
Ist eine ruhige Person immer gut reguliert?
Äußere Ruhe kann aus Sicherheit, Sammlung oder Erholung entstehen. Sie kann ebenso mit Erschöpfung, Rückzug oder Erstarrung verbunden sein. Hinweise auf die Kontaktqualität geben vor allem Beweglichkeit, Wahrnehmungsfähigkeit und die Möglichkeit, angemessen auf Veränderungen zu antworten.
Kann man den Parasympathikus gezielt aktivieren?
Atmung, Bewegung, soziale Begegnung und die Gestaltung der Umgebung können die autonome Regulation beeinflussen. Die Wirkung unterscheidet sich von Mensch zu Mensch und hängt von der jeweiligen Situation ab. Sinnvoll bleibt daher die Beobachtung, welche Veränderung tatsächlich eintritt.
Welche Rolle spielt die Polyvagal-Theorie?
Die Polyvagal-Theorie verbindet autonome Regulation mit Sicherheit, Abwehr und sozialem Kontakt. Sie hat zahlreiche körperorientierte und psychotherapeutische Ansätze beeinflusst. Mehrere ihrer zentralen physiologischen Annahmen werden in der Fachwelt kontrovers diskutiert. Innerhalb der Vertikalen Praxis kann sie einzelne Beobachtungen anregen, besitzt jedoch keinen Rang als abschließendes Erklärungsmodell.
Was bedeutet Co-Regulation?
Co-Regulation beschreibt die wechselseitige Beeinflussung körperlicher und emotionaler Zustände in einer Beziehung. Stimme, Abstand, Blick, Rhythmus und Bewegungen können Sicherheit, Aktivierung oder Rückzug mitprägen. Beide Beteiligten wirken dabei auf das gemeinsame Geschehen ein.

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Porträt von Britta Germek

Systemisches Coaching mit Britta Germek

Britta und ich sind verheiratet und Eltern eines tollen Jungen. Seit unserer Rückkehr ins Münsterland entwickeln wir systheco als gemeinsames, nebenberufliches Projekt. Während ich in meinem Büro sitze und neue Texte schreibe, höre ich sie nebenan telefonieren. Nicht laut, aber ausreichend, um die Direktheit ihrer Stimme wahrzunehmen.

Als wir noch in Köln lebten, arbeitete Britta bei den Ford-Werken. Dort begleitete sie Führungskräfte unterschiedlicher Bereiche in Veränderungsprozessen. Britta mag die Zusammenarbeit mit hemdsärmeligen Leuten. Sie bleibt beharrlich, bis die Dinge auf den Punkt kommen. Gleichzeitig hat sie Geduld, wenn Menschen Zeit brauchen, Beobachtungen anzunehmen.



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