Sich von der eigenen Kraft befreien

Björn Germek · Emsdetten

Entwickler der Vertikalen Praxis

Eigene Kraft ermöglicht Bewegung und Wirksamkeit. Sie kann jedoch zum Hindernis werden, wenn der Körper eine einmal begonnene Spannung oder Richtung auch dann fortsetzt, nachdem sich die Situation bereits verändert hat.

Sich von der eigenen Kraft zu befreien bedeutet nicht, kraftlos zu werden. Es bedeutet, Anstrengung lösen und neu organisieren zu können, ohne Struktur, Kontakt und Handlungsbereitschaft aufzugeben.

Im Chi Sao machen wechselnder Widerstand und plötzliche Entlastung unmittelbar erfahrbar, ob Kraft frei verfügbar bleibt oder der Körper von seiner eigenen Anstrengung gebunden wird.


Moin, ich bin der Björn.

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Inhaltsverzeichnis


Kurz erklärt

Sich von der eigenen Kraft zu befreien bedeutet innerhalb der Vertikalen Praxis, eine bereits erzeugte Spannung oder Bewegungsrichtung nicht länger fortsetzen zu müssen, wenn sie im Kontakt ihre Funktion verloren hat.

Die eigene Kraft wird dabei nicht abgelehnt oder vollständig aufgegeben. Sie kann zurückgenommen, neu verteilt und für eine andere Handlung wieder verfügbar werden.

Wichtig:
Die Befreiung von der eigenen Kraft ist kein Kraftverzicht. Sie beschreibt die Fähigkeit, nicht an einer einmal begonnenen Anstrengung festzuhalten.


Was bedeutet, sich von der eigenen Kraft zu befreien?

Eine eigene Bewegung beginnt häufig mit einer klaren Absicht. Der Körper stößt vor, hält eine Richtung oder bringt Druck in den Kontakt.

Verändert sich die Situation, bleibt die dafür erzeugte Kraft jedoch manchmal bestehen. Die Muskeln arbeiten weiter, obwohl der ursprüngliche Bewegungsweg bereits geschlossen ist oder das Gegenüber seine Richtung verändert hat.

Der Körper ist dann nicht nur mit einer äußeren Kraft beschäftigt. Er wird zugleich von seiner eigenen Anstrengung gebunden.

Sich von der eigenen Kraft zu befreien bedeutet, diese Bindung wahrzunehmen und lösen zu können. Eine einmal erzeugte Spannung muss nicht bis zum Ende fortgeführt werden.

Die Kraft kann nachlassen, ihre Richtung verändern oder in den gesamten Körper zurückgenommen werden. Dadurch entsteht erneut Bewegungsraum.


Wenn die eigene Kraft zum Hindernis wird

Kraft ermöglicht Bewegung, Begrenzung und Wirksamkeit. Sie wird nicht dadurch problematisch, dass sie vorhanden ist.

Zum Hindernis wird sie, wenn der Körper sie nicht mehr verändern kann. Eine Richtung wird weitergedrückt, ein Gelenk bleibt gespannt oder das Gewicht folgt einer Bewegung, die im Kontakt längst keine Grundlage mehr besitzt.

Je stärker der Körper an der eigenen Kraft festhält, desto weniger kann er neue Informationen aufnehmen. Veränderungen des Gegenübers werden dann vor allem als Störung der eigenen Handlung erlebt.

Häufig wird die Anstrengung daraufhin erhöht. Der Körper versucht, den verlorenen Bewegungsweg durch zusätzliche Kraft wiederherzustellen.

Dadurch verengt sich die Situation weiter. Nicht die fehlende Kraft begrenzt das Handeln, sondern die Unfähigkeit, die bereits eingesetzte Kraft wieder freizugeben.


Kraft und Festhalten

Festhalten zeigt sich nicht nur darin, dass ein Gegenstand oder ein anderer Mensch körperlich fixiert wird. Auch eine Muskelspannung, eine Bewegungsrichtung oder eine eigene Absicht kann festgehalten werden.

Der Körper bleibt dann an das gebunden, was er selbst erzeugt hat. Eine Hand drückt weiter, obwohl der Kontakt leichter wird. Eine Schulter hält Spannung, obwohl der Arm längst eine andere Richtung benötigt.

Dieses Festhalten kann ein Gefühl von Kontrolle vermitteln. Die eigene Aktivität bleibt deutlich spürbar, und die Bewegung scheint weiterhin von einem selbst bestimmt zu werden.

Gleichzeitig nimmt die Empfindlichkeit für den tatsächlichen Kontakt ab. Kleine Veränderungen werden von der eigenen Spannung überlagert.

Sich von der eigenen Kraft zu befreien beginnt deshalb nicht mit vollständiger Entspannung. Zunächst muss wahrnehmbar werden, wo die eigene Kraft weiterhin gebunden bleibt.


Björn Germek in der Vertikalen Praxis

Vertikale Praxis – Erfahrungssettings

Diese Seite vertieft ein einzelnes Phänomen der Vertikalen Praxis. Sie gehört zu einem größeren Wissensbereich, der körperliche, relationale und entwicklungsbezogene Erfahrungen aus unterschiedlichen Perspektiven beschreibt.

Zwei Hauptseiten führen von diesem Wissen in konkrete Erfahrungsräume: Chi Sao und Vertikale Selbsterforschung. Auf beiden Seiten wird das jeweilige Erfahrungssetting ausführlich vorgestellt.


Chi Sao stammt ursprünglich aus der südchinesischen Kampfkunst Wing Chun. Die Partnerübung schult die Wahrnehmung von Berührung, Druck, Richtung und Veränderung im unmittelbaren Kontakt. Ich habe sie aus ihrem kämpferischen Zusammenhang heraus weiterentwickelt und an die Grundhaltung der Vertikalen Praxis angepasst.


Vertikale Selbsterforschung ist ein Erfahrungssetting für phänomenologisch orientierte Selbsterforschung. Im Mittelpunkt steht die unmittelbare Wahrnehmung des eigenen Körpers und seiner fortlaufenden Beziehung zur gegenwärtigen Situation. Propriozeption, innere Empfindungen und Resonanz werden dabei zu Zugängen für die gemeinsame Erforschung des eigenen Erlebens.


Die Bindung an die eigene Richtung

Eine gerichtete Bewegung enthält immer auch eine Entscheidung. Der Körper organisiert sich auf ein Ziel hin und stellt dafür Kraft bereit.

Diese Klarheit ist notwendig, um wirksam handeln zu können. Sie kann jedoch zur Bindung werden, wenn die Richtung auch dann beibehalten wird, nachdem sich die Bedingungen verändert haben.

Das Gegenüber dreht sich, ein Widerstand entsteht oder eine Öffnung verlagert sich. Trotzdem setzt der Körper die ursprüngliche Bewegung fort.

Häufig wird das Festhalten an der Richtung mit Entschlossenheit verwechselt. Tatsächlich kann es die eigene Handlungsfähigkeit einschränken, weil andere Möglichkeiten nicht mehr wahrgenommen werden.

Sich von der eigenen Kraft zu befreien bedeutet deshalb auch, eine Richtung verlassen zu können, ohne die Fähigkeit zu gerichteter Bewegung grundsätzlich aufzugeben.


Kraft wahrnehmen, statt sie fortzusetzen

Eigene Kraft wird häufig vor allem über ihre Wirkung nach außen wahrgenommen. Der Körper drückt, zieht oder hält etwas und richtet seine Aufmerksamkeit auf das Ergebnis.

Weniger deutlich bleibt möglicherweise, wie diese Kraft im eigenen Körper entsteht. Welche Muskeln spannen sich an? Wo wird Gewicht gebunden? Welche Gelenke verlieren ihre Beweglichkeit?

Wird die eigene Kraft als körperliches Phänomen wahrnehmbar, muss sie nicht mehr automatisch fortgesetzt werden.

Ein Druck kann gespürt werden, bevor er erhöht wird. Eine Spannung kann erkennbar werden, bevor sie sich im gesamten Körper ausbreitet.

Wahrnehmung unterbricht die Kraft nicht zwangsläufig. Sie eröffnet jedoch die Möglichkeit, ihre Richtung, Dosierung und Dauer neu zu bestimmen.


Spannung zurücknehmen, ohne zusammenzufallen

Wird eigene Spannung gelöst, kann zunächst das Gefühl entstehen, Stabilität und Wirkung zu verlieren. Der Körper war möglicherweise so sehr an die Anstrengung gewöhnt, dass sie mit Struktur verwechselt wurde.

Eine abrupte Entspannung kann tatsächlich dazu führen, dass Gelenke einknicken, Gewicht absinkt oder der Kontakt abreißt.

Sich von der eigenen Kraft zu befreien bedeutet deshalb nicht, jede Spannung auf einmal aufzugeben. Entscheidend ist, unnötige Anstrengung zurückzunehmen, während die funktionale Verbindung des Körpers erhalten bleibt.

Der Boden trägt weiterhin. Die Gelenke bleiben ausgerichtet, und der Körper behält eine eigene räumliche Orientierung.

Kraftlosigkeit und Freiheit von gebundener Kraft sind nicht dasselbe. Die frei werdende Struktur kann weiterhin handeln, ohne ihre Wirkung durch dauerhafte Spannung absichern zu müssen.


Wenn die eigene Kraft frei wird

Wird eine gebundene Kraft gelöst, verschwindet sie nicht unbedingt vollständig. Sie steht dem Körper vielmehr wieder für andere Bewegungen zur Verfügung.

Ein Arm, der nicht länger gegen einen geschlossenen Weg drückt, kann einer Richtungsänderung folgen. Gewicht, das nicht mehr nach vorne gebunden ist, kann sich neu verteilen.

Die Befreiung von der eigenen Kraft erweitert dadurch den Bewegungsraum. Der Körper muss nicht erst aus einer festen Anstrengung herausfinden, bevor er auf die neue Situation antworten kann.

Häufig entsteht zugleich eine feinere Wahrnehmung. Wenn die eigene Spannung leiser wird, treten Druckveränderungen und Bewegungen des Gegenübers deutlicher hervor.

Frei gewordene Kraft ist deshalb nicht einfach weniger Kraft. Sie ist weniger gebunden und kann genauer eingesetzt werden.


Kontakt nach der Entlastung

Wird die eigene Kraft zurückgenommen, verändert sich auch der Kontakt. Ein zuvor dichter Druck wird leichter, ein Widerstand fällt weg oder das Gegenüber bewegt sich unerwartet weiter.

In diesem Moment besteht die Gefahr, den Kontakt vollständig aufzugeben. Die Befreiung von der eigenen Kraft wird dann mit Rückzug oder innerer Abwesenheit verbunden.

Funktionale Entlastung bleibt dagegen wahrnehmend. Der Körper nimmt seine übermäßige Kraft zurück, ohne das Gegenüber aus dem Erleben zu verlieren.

Dadurch kann sichtbar werden, wie viel der bisherigen Verbindung tatsächlich von der eigenen Spannung hergestellt wurde und was vom Kontakt selbst übrig bleibt.

Die Beziehung muss anschließend nicht in derselben Form fortbestehen. Sie kann leichter, beweglicher oder neu ausgerichtet werden.


Die eigene Kraft im Chi Sao

Im Chi Sao wird gebundene eigene Kraft schnell sichtbar. Das Gegenüber verändert Druck oder Richtung, während der eigene Körper eine frühere Anstrengung fortsetzt.

Lässt der Partner plötzlich nach, bewegt sich der Körper möglicherweise unkontrolliert weiter. Wechselt er die Richtung, bleibt die eigene Spannung an einem Kontakt hängen, der bereits nicht mehr besteht.

Solche Momente zeigen, wie stark der Körper auf seine selbst erzeugte Kraft angewiesen war. Was als Stabilität erschien, beruhte möglicherweise auf einem Widerstand, den das Gegenüber bereitgestellt hatte.

Chi Sao ermöglicht, die eigene Kraft schrittweise zurückzunehmen und zugleich Kontakt, Struktur und Handlungsbereitschaft zu erhalten.

Die Übung besteht nicht darin, kraftlos zu werden. Sie untersucht, wann Kraft tatsächlich gebraucht wird und wann ihr Fortbestehen die Wahrnehmung und Bewegung begrenzt.


Wie sich die Befreiung von der eigenen Kraft entwickeln kann

Die Befreiung von der eigenen Kraft entwickelt sich zunächst durch die Wahrnehmung unnötiger Fortsetzung. Wo arbeitet der Körper weiter, obwohl die Situation keine entsprechende Wirkung mehr verlangt?

Langsame Bewegungen und wechselnder Widerstand machen solche Bindungen sichtbar. Eine Kraft kann aufgebaut und anschließend schrittweise zurückgenommen werden, ohne dass die gesamte Struktur zusammenbricht.

Besonders aufschlussreich sind plötzliche Entlastungen. Sie zeigen, ob der Körper weiterhin von seiner eigenen Richtung getragen wird oder auf dem Widerstand des Gegenübers beruht.

Mit zunehmender Erfahrung kann Kraft früher gelöst und genauer neu organisiert werden. Die Anstrengung muss nicht erst vollständig fest werden, bevor sie verändert werden kann.

Innerhalb der Vertikalen Praxis entsteht daraus eine beweglichere Form von Wirksamkeit: Kraft einsetzen zu können, ohne ihr anschließend ausgeliefert zu sein.


Hinweis zur Entstehung: Dieser Fachtext wurde mit Unterstützung generativer KI redaktionell ausgearbeitet. Inhaltliche Konzeption und fachliche Verantwortung liegen bei den Betreibern dieser Website. Texte, die auf besonderes Interesse stoßen, werden redaktionell weiterentwickelt.

Wichtige Internetseiten

Sich von der eigenen Kraft zu befreien ist ein Begriff der Vertikalen Praxis und wird in dieser Form nicht als eigenständiges wissenschaftliches Konzept untersucht. Verwandte Forschungsfelder beschäftigen sich jedoch mit Muskel-Kokontraktion, der Regulation mechanischer Steifigkeit, sensomotorischer Anpassung und der Veränderung eigener Kraft während körperlicher Interaktion.

Die wissenschaftlichen Quellen beschreiben Muskel-Kokontraktion, mechanische Steifigkeit und die Anpassung eigener Kräfte an wechselnde Bedingungen. Innerhalb der Vertikalen Praxis bezeichnet die Befreiung von der eigenen Kraft darüber hinaus die unmittelbar erfahrbare Fähigkeit, eine selbst erzeugte Anstrengung nicht länger fortsetzen zu müssen, wenn sie Wahrnehmung und Bewegung bindet.


Fragen & Antworten

Was bedeutet es, sich von der eigenen Kraft zu befreien?
Es bedeutet, eine bereits erzeugte Spannung oder Bewegungsrichtung zurücknehmen zu können, wenn sie im Kontakt ihre Funktion verloren hat. Die eigene Kraft wird dadurch wieder für andere Bewegungen verfügbar.
Ist damit gemeint, möglichst wenig Kraft einzusetzen?
Nein. Kraft kann notwendig und angemessen sein. Entscheidend ist, ob sie frei dosiert und wieder gelöst werden kann oder ob der Körper an ihr festhält, obwohl die Situation sich verändert hat.
Wie kann die eigene Kraft zum Hindernis werden?
Wenn eine Spannung, Absicht oder Bewegungsrichtung automatisch fortgesetzt wird, kann sie neue Informationen überdecken. Der Körper bleibt dann an seine eigene Anstrengung gebunden und kann nur eingeschränkt reagieren.
Warum ist zusätzliche Anstrengung nicht immer hilfreich?
Mehr Anstrengung kann eine bereits festgewordene Organisation verstärken. Der Körper drückt dann kräftiger in eine Richtung, die im Kontakt möglicherweise gar nicht mehr verfügbar ist.
Verliert der Körper beim Lösen der Spannung seine Struktur?
Nicht zwangsläufig. Funktionale Struktur beruht nicht auf dauerhafter Muskelanspannung. Bodenkontakt, Aufrichtung und die Verbindung der Körperbereiche können erhalten bleiben, während unnötige Kraft zurückgenommen wird.
Was geschieht mit der frei werdenden Kraft?
Sie verschwindet nicht einfach. Der Körper kann sie neu verteilen und für eine andere Bewegungsrichtung, ein Nachgeben, Folgen oder erneutes Vorstoßen verwenden.
Welche Rolle spielt die Wahrnehmung?
Erst wenn die eigene Kraft als körperliches Phänomen wahrnehmbar wird, kann ihre Fortsetzung überprüft werden. Spürbar werden beispielsweise lokale Spannung, gebundenes Gewicht oder ein festgehaltenes Gelenk.
Wie wird die eigene Kraft im Chi Sao erfahrbar?
Richtungswechsel und plötzliche Entlastungen zeigen unmittelbar, ob der Körper seine Spannung selbständig reguliert oder auf dem Widerstand des Gegenübers beruht. Wird die eigene Kraft weitergeführt, kann der Körper in den frei werdenden Raum fallen.

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Porträt von Britta Germek

Systemisches Coaching mit Britta Germek

Britta und ich sind verheiratet und Eltern eines tollen Jungen. Seit unserer Rückkehr ins Münsterland entwickeln wir systheco als gemeinsames, nebenberufliches Projekt. Während ich in meinem Büro sitze und neue Texte schreibe, höre ich sie nebenan telefonieren. Nicht laut, aber ausreichend, um die Direktheit ihrer Stimme wahrzunehmen.

Als wir noch in Köln lebten, arbeitete Britta bei den Ford-Werken. Dort begleitete sie Führungskräfte unterschiedlicher Bereiche in Veränderungsprozessen. Britta mag die Zusammenarbeit mit hemdsärmeligen Leuten. Sie bleibt beharrlich, bis die Dinge auf den Punkt kommen. Gleichzeitig hat sie Geduld, wenn Menschen Zeit brauchen, Beobachtungen anzunehmen.



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