Vertikale Praxis

Körper, Kontakt und psychische Gesundheit unter Druck

Vertikale Praxis beschreibt einen Weg, unter Belastung in gutem Kontakt zu bleiben. Mit dem eigenen Körper. Mit dem Gegenüber. Mit dem, was im Augenblick geschieht.

Mich interessiert seit Jahren, was mit Menschen geschieht, sobald Druck entsteht. Der Atem verändert sich. Der Blick wird enger. Schultern arbeiten mit. Die Stimme verliert Weite. Entscheidungen werden kleiner. Ein Mensch erlebt sich dann anders und wird auch anders erlebt.

Vertikale Praxis richtet Aufmerksamkeit auf diesen frühen Bereich. Auf Gewicht, Aufrichtung, Spannung, Atem, Wahrnehmung und Beziehung. Wer dort wieder Zugang findet, gewinnt Spielraum zurück.

Symbolbild zur vertikalen Praxis

Worum es hier geht

Vertikale Praxis verbindet körpernahe Wahrnehmung, psychotherapeutisches Denken und Erfahrungen aus dem Chi Sao. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie ein Mensch unter Spannung erreichbar bleibt.

Belastung zeigt sich früh im Organismus. Muskeltonus steigt. Aufmerksamkeit springt. Der innere Radius wird kleiner. Manche Menschen reagieren scharf, andere ziehen sich zurück, wieder andere funktionieren still weiter, während innen längst Alarm herrscht.

Vertikale Praxis beginnt an dieser Schwelle. Sie fragt: Wie wird Halt wieder spürbar? Wie entsteht Weite im Atem? Wie gewinnt ein Mensch Wahlfreiheit zurück? Wie bleibt Beziehung möglich, wenn Druck zunimmt?

Horizontal und vertikal kurz eingeordnet

Horizontal beschreibt die Bewegung nach vorn. Aufgaben, Ziele, Termine, Konflikte, Erwartungen und äußere Anforderungen ziehen in diese Richtung. Ein großer Teil des Alltags läuft auf dieser Ebene.

Vertikal beschreibt die Bewegung in den Körper. Füße auf dem Boden. Aufrichtung durch die Wirbelsäule. Atemraum im Brustkorb. Wahrnehmung für Spannung und Gewicht.

Unter Druck versuchen Menschen vieles horizontal zu lösen. Mehr denken. Mehr erklären. Schneller reagieren. Vertikale Praxis ergänzt eine zweite Achse: sammeln, spüren, ordnen, im Kontakt bleiben.

Körper, Kontakt und psychische Gesundheit

Psychische Belastung lebt nicht allein im Denken. Sie verändert Haltung, Blick, Stimme, Schlaf, Verdauung, Bewegungsdrang, Rückzug und Beziehungsgeschehen. Wer nur auf Gedanken schaut, übersieht einen großen Teil des Geschehens.

In therapeutischer Arbeit kann es daher bedeutsam werden, über Erlebnisse zu sprechen und zugleich die aktuelle Organisation des Menschen wahrzunehmen. Wo spannt sich etwas an? Wo sackt etwas zusammen? Wo reißt Kontakt ab? Wo entsteht wieder Boden?

Vertikale Praxis richtet sich auf diese Ebene unmittelbarer Erfahrung. Ein Mensch spürt, wie Spannung kommt. Wie sie sich verändert. Wie Atem zurückkehrt. Wie Präsenz wächst.

Chi Sao als Herkunft und Übungsfeld

Ein wichtiger Hintergrund meiner Arbeit liegt im Wing Chun, besonders in der Übungspraxis des Chi Sao. Zwei Menschen bleiben über Arme und Hände in Kontakt. Richtung, Druck, Nachgeben, Timing und Grenze werden unmittelbar spürbar.

Mich interessiert Chi Sao heute als Erfahrungsfeld. Dort zeigt sich, wie Menschen unter Spannung reagieren. Gegenhalten. Ausweichen. Erstarren. Beschleunigen. Oder organisiert bleiben.

Für die Vertikale Praxis wird Chi Sao zu einer Schule für Wahrnehmung, Regulation und Beziehung. Der Wert liegt für mich im Kontaktlernen.

Mehr zu meinem Chi-Sao-Hintergrund und zur Einordnung von Kontakt, Grenzen und Spannung

Vorlesungen zur Vertikalen Praxis

Zur Vertikalen Praxis entsteht eine Reihe gesprochener Vorlesungen. Dort bekommen Gedanken mehr Zeit, Stimme, Zusammenhang und praktische Beispiele.

Themen sind unter anderem: Druck und Selbstorganisation, Kontakt unter Belastung, Chi Sao als Übungsfeld, therapeutische Anschlussmöglichkeiten, Einsamkeit, Scham, Beziehung und innere Beweglichkeit.

Psychotherapeutische Einordnung

Vertikale Praxis versteht sich als ergänzende Perspektive im Umfeld psychotherapeutischer Arbeit. Sie richtet den Blick auf Regulation, Präsenz, Kontaktfähigkeit und körperlich spürbare Veränderung.

Manche Menschen erkennen ihre Muster sehr klar und erleben dennoch Wiederholung. Der Kopf versteht, der Körper lebt weiter im alten Alarm. Dann braucht Entwicklung neue Erfahrung.

In diesem Sinn beginnt Vertikale Praxis im Organismus und wirkt in Beziehung, Alltag und therapeutischen Prozessen weiter.

Britta Germek und Systemisches Coaching

systheco betreiben wir gemeinsam: meine Frau Britta und ich. Unsere Arbeit folgt unterschiedlichen Aufgabenfeldern. Ich entwickle die Vertikale Praxis aus psychotherapeutischer, körpernaher und kontaktorientierter Perspektive. Britta begleitet Menschen im Rahmen von systemischem Coaching mit Schwerpunkten in Persönlichkeit, Führung und Zusammenarbeit.

Beide Perspektiven können nebeneinanderstehen. Wenn Menschen das wünschen, stimmen wir mögliche Formen der Zusammenarbeit offen miteinander ab.

Porträt von Britta Germek

Britta Germek

Systemisches Coaching und Beratung für Führungskräfte, Mitarbeiter*innen und Privat­personen. Begleitung bei beruflichen und persönlichen Entwicklungsprozessen sowie in heraus­fordernden Situationen. Britta bringt 25 Jahre Erfahrung aus Personal­entwicklung sowie der Arbeit mit Einzel­personen und Teams mit.

Kontakt

Wenn dich Vertikale Praxis interessiert oder du eine Frage zu meiner Arbeit hast, kannst du mir schreiben.

bjoern.germek@systheco.de